Wirtschaft : Lipobay und teures Öl belasten Bayer

Pharma- und Chemiekonzern kündigt weitere Entschädigungszahlungen an / Gewinn bricht ein

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Berlin (pet). Der Skandal um den CholesterinSenker Lipobay wird den Bayer-Konzern auch in Zukunft belasten. Bayer schloss am Montag in einer Mitteilung erneut nicht aus, dass die Entschädigungszahlungen an Geschädigte die Versicherungssumme übersteigen und durch die bereits getroffenen Rückstellungen nicht mehr abgedeckt sein könnten. Zweieinhalb Jahre nach dem weltweiten Rückruf des Medikaments sind weltweit noch mehr als 9200 Klagen anhängig. Im ersten Quartal hielt der Aspirin-Hersteller den Umsatz etwa auf Vorjahresniveau, der Konzerngewinn ging zurück. Die Bayer-Aktie verlor zeitweise mehr als vier Prozent.

Bayer hatte das umsatzstarke Medikament Lipobay im Sommer 2001 vom Markt genommen, weil es im Verdacht stand, für rund 100 Todesfälle verantwortlich zu sein. Durch die entgangenen Umsätze in Milliardenhöhe rutschte das Unternehmen in eine schwere Krise, von der sich das Unternehmenn noch nicht erholt hat. Als Reaktion spaltete der Mischkonzern Bayer sich auf. Der größte Teil der Chemiesparte wird unter dem Namen Lanxess gerade für den Börsengang vorbereitet. Außerdem will das Leverkusener Unternehmen 14 000 Mitarbeiter entlassen und einige Forschungszentren schließen, um die Kosten zu drücken.

Bis Mitte April hat Bayer nach eigenen Angaben insgesamt 872 Millionen Dollar an Lipobay-Geschädigte gezahlt. Der Pharmakonzern will auch in Zukunft die Opfer „freiwillig und ohne Anerkennung einer Haftung“ entschädigen, kündigte Bayer an.

Im ersten Quartal 2004 konnte der Konzern den Umsatz leicht auf 7,4 Milliarden Euro steigern. Der um Sondereinflüsse wie Restrukturierungskosten bereinigte operative Gewinn lag nach Angaben des Unternehmens mit 827 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau von 841 Millionen Euro. Besser als im Vorjahreszeitraum schnitten das Industriegeschäft (Material Science) und die abgespaltene Chemie-Tochter Lanxess ab. „Die Performance im ersten Quartal bestätigt, dass der Konzern auf Kurs ist“, sagte Bayer-Vorstandschef Werner Wenning am Montag.

Bayer bekräftigte seine Prognose für das Gesamtjahr. Danach soll der Gewinn vor Steuern um mehr als zehn Prozent steigen. Risiken sieht der Konzern allerdings in der weiteren konjunkturellen Entwicklung und den schwankenden Rohstoffpreisen. Finanzvorstand Klaus Kühn rechnet wegen des hohen Rohölpreises mit negativen Auswirkungen auf das Geschäft, wie er am Montag in einer Analystenkonferenz sagte.

Obwohl der Konzern die Analystenerwartungen erfüllte, verlor die Aktie in einem schwachen Gesamtmarkt zunächst mehr als vier Prozent, konnte im Laufe des Nachmittags aber Boden gut machen. Zum Schluss notierte die Aktie mit 21,05 Euro um 3,5 Prozent im Minus.

„Die Zahlen waren nicht überraschend“, sagte Ulle Wörner, Pharmaanalyst der Landesbank Baden-Würtemberg. Nur der Gewinn der Chemietochter Lanxess habe sich besser entwickelt als erwartet. Der Teilkonzern hatte im ersten Quartal zwar Umsatz eingebüßt, das operative Ergebnis aber aufgrund von Einsparungen auf rund 75 Millionen Euro vervierfacht. Lanxess soll nach Plänen der Bayer-Spitze Anfang kommenden Jahres an die Börse gebracht werden.

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