Wirtschaft : Lkw-Gebühren: Deutsche Telekom soll Mautsystem aufbauen

slo/ink

Ein Konsortium um die Deutsche Telekom wird aller Voraussicht nach den Zuschlag für den Aufbau und den Betrieb der streckenabhängigen Lkw-Maut auf Deutschlands Autobahnen erhalten. Das Bundesverkehrsministerium hat nach Informationen des Handelsblatts den beiden anderen Bietern, der Ages Maut System unter der Führung des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone und der Schweizer Fela Management AG, vorab mitgeteilt, dass sie bei dem Auftrag nicht berücksichtigt werden.

Die Maut soll Anfang 2003 für Lkw ab zwölf Tonnen eingeführt werden. Die Straßenbenutzungsgebühren werden der Regierung voraussichtlich mehr als sechs Milliarden Mark pro Jahr einbringen. Die potenziellen Betreiber der Lkw-Maut fordern zehn bis 20 Prozent der Gebühren für sich ein, heißt es aus dem Umfeld der Unternehmen. Zunächst müssen sie jedoch knapp zwei Milliarden Mark in die Technik investieren, schätzen Branchenexperten.

Nach Informationen des Handelsblatts haben die beiden abgewiesenen Konsortien Einspruch gegen den Bescheid des Ministeriums beim Bundeskartellamt eingelegt. Die Behörde wird am heutigen Donnerstag darüber verhandeln, sagte ein Sprecher des Kartellamtes auf Anfrage. Dabei geht es offenbar um den Protest von Vodafone.

Das Konsortium aus Telekom, Daimler-Chrysler Services und dem französischen Autobahnbetreiber Cofiroute setzt auf die Telematik-Lösung "Toll Collect". Es bietet Gütertransportunternehmen über die reine Mautbezahlung hinaus zusätzliche Telematik-Dienste wie Flottenmanagement und das Verfolgen der Fracht. Toll Collect macht sich den Mobilfunk und das Satellitenortungssystem GPS (Global Positioning System) zunutze. Es wurde auf den Autobahnen rund um Bonn bereits ausprobiert. Ein solches Maut-System setzt voraus, dass jeder Lkw mit einem entsprechenden Maut-Gerät ausgestattet ist. Voraussichtlich muss es zudem Kontrollgeräte auf Autobahnbrücken oder Ein- und Ausfahrten geben, die feststellen können, ob ein Spediteur die Gebühr für die gerade benutzte Strecke bezahlt hat.

Nach den bisherigen Planungen des Verkehrsministeriums soll der Zuschlag für den Aufbau der Mauttechnik noch in diesem Jahr erfolgen. Deshalb dürfte das Ministerium auch an einer schnellen Entscheidung des Kartellamtes interessiert sein, das nach dem Vergaberecht bis zum 5. Oktober eine Entscheidung treffen muss.

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