Wirtschaft : Lob für die Bankgesellschaft

Aktionäre freuen sich über erfolgreiche Sanierung/Vorstand erwartet Gewinn von 160 Millionen Euro

Bernd Hops

Berlin - Bei der Bankgesellschaft Berlin ist weitgehend Normalität eingekehrt. Schwarze Zahlen, weniger Risiken. Aber eins fehlt noch: die Dividende. Und das wird sich nicht so schnell ändern. Auf der Hauptversammlung des Konzerns am Freitag in Berlin ging Vorstandschef Hans-Jörg Vetter erst nach Fragen von Kleinaktionären auf das Thema ein und dämpfte die Hoffnungen. „Die strategische Neuausrichtung ist weitgehend abgeschlossen, aber derzeit ist es noch notwendig, die Substanz der Bank zu stärken.“ Eine Prognose, wann die Bankgesellschaft wieder eine Dividende ausschütten wird, gab Vetter nicht. „Nächstes Jahr werden wir uns wieder mit dem Thema beschäftigen.“

Im vergangenen Jahr hatte die Bankgesellschaft vor Steuern einen Konzerngewinn von 119 Millionen Euro erwirtschaftet. „Das ist seit 1999 erstmals wieder ein klar positiver Gewinn“, sagte Vorstandschef Vetter. Das erste Quartal 2005 habe auch bestätigt, „dass die Bankgesellschaft mit ihrer neuen strategischen Ausrichtung positive Ergebnisse erwirtschaften kann“. Für das Gesamtjahr rechne er mit einem Anstieg des Gewinns vor Steuern „um mindestens ein Drittel auf einen Wert von dann rund 160 Millionen Euro“. Und es soll weiter nach oben gehen. Vor Steuern lag die Eigenkapitalrendite zuletzt laut Vetter bei 5,4 Prozent, 2008/2009 wolle man zwölf bis 14 Prozent erreichen. Vor vier Jahren hatte die Bankgesellschaft noch vor dem Zusammenbruch gestanden und war nur durch Milliardenhilfen des Landes Berlin, dem größten Aktionär, gerettet worden.

Von den Aktionären gab es – im Gegensatz zu den Hauptversammlungen der vergangenen Jahre – auch viel Lob. Selbst Peter Grottian von der Intitative Berliner Bankenskandal, einer der schärfsten Kritiker, sagte: „Es gibt durchweg vorzeigbare Fortschritte.“ Er warf aber dem Vorstand vor, die Bilanz auf Kosten der Steuerzahler zu schönen – was Vetter wiederum umgehend zurückwies.

Kai Weigert von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) sagte: „Es scheint so, als hätten Sie die Kurve gekriegt.“ Vor allem würden auch die Ankündigungen das zweite Jahr in Folge eingehalten. Malte Diesselhorst, Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sagte: „Man hat das Gefühl, dass die schweren Unwetter an der Bankgesellschaft vorbeigezogen sind.“ Beunruhigt zeigte er sich aber dadurch, dass das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge rückläufig sei. Auch SdK-Vertreter Weigert kritisierte: „Die Erfolge der letzten Jahre sind fast ausschließlich auf die Abarbeitung von Altlasten zurückzuführen.“ Von Normalität könne man erst sprechen, „wenn die Bank wieder wächst“.

Vorstandschef Vetter verwies darauf, dass das Ergebnis vor Risikovorsorge durch den Umbau des Instituts belastet worden sei. Schließlich schrumpfte die Bilanzsumme seit Ende 2001 von rund 189 Milliarden Euro auf 132,6 Milliarden Euro (Ende 2004) – und damit auch der Zinsüberschuss. Da die Risikopostionen von rund 90 Milliarden Euro Ende 2001 auf 41,7 Milliarden Euro Ende 2004 ebenfalls dramatisch reduziert wurden, konnte die Risikovorsorge um 563 Millionen Euro auf 200 Millionen deutlich zurückgefahren werden. Das erhöhte auch das operative Ergebnis. Ziel sei es, diese Vorsorge noch auf 100 bis 150 Millionen Euro zu drücken. Aber nicht nur dadurch und dank weiterer Kosteneinsparungen will Vetter künftig mehr Geld verdienen. Er will mehr Produkte der Bankgesellschaft an den Anleger bringen – „bei dritten Banken und auch außerhalb der Sparkassenorganisation“.

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