Lobbyisten in Berlin : Mit den Mainzelmännchen ins Kanzleramt

„Wir müssen die Leute anstecken, über den Kopf oder das Herz“: Alexander Thies setzt sich im Vorstand der Allianz Deutscher Produzenten für die Interessen der deutschen Filmproduzenten ein

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Alexander Thies Vorstand der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e.V.
Alexander Thies Vorstand der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e.V.Foto: IMAGO

Seine Eltern brachten den „Mainzelmännchen“ das Laufen bei. 1963 waren Anton, Berti, Det & Co. zum ersten Mal im ZDF zu sehen. Hergestellt wurden die kurzen Animationsfilme von der Neuen Filmproduktion – dem Unternehmen, das Alexander Thies (53) heute mit seinem Bruder Stefan führt. Ein Traditionsbetrieb („Luther“, „Bonhoeffer“) in einer schnelllebigen Branche.

Thies fühlt sich dem Erbe mit Leidenschaft verpflichtet. Doch ihm geht es um mehr. Als Vorstand der „Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen“ setzt sich Thies seit 2008 auch für die Interessen aller deutschen Produzenten ein. Der Verband zählt mehr als 200 Mitglieder, die wichtigsten deutschen Film- und TV-Produktionsunternehmen. Das sind insgesamt 900 Einzelfirmen mit zusammen mehr als 35 000 Arbeitsplätzen.

„Man muss sich kümmern um die Dinge, die einem wichtig sind, sonst wird das nichts“, sagt Thies. Das lerne man in der Firma. „Da wartest du auch nicht, dass einer zu dir kommt.“ Sein Vater habe ihm das beigebracht. „Aber er hat ebenfalls gesagt: Mach nicht nur deinen Job, sondern gib auch etwas zurück.“ In eine Partei habe er aber nicht eintreten wollen. Für einen Berufsverband einzutreten, das fand er überzeugender. 1992 fragte ihn die Berliner Filmproduzentin Regina Ziegler, ob er nicht in den Vorstand des Verbands Deutscher Fernsehproduzenten kommen wolle, einen Vorläuferverband der Produzentenallianz. Thies wollte – und ist seitdem ein Lobbyist der Filmwirtschaft.

Eine Berufsbezeichnung, die er nicht besonders mag. Auch das Wort „Networking“ bereitet ihm eher Unbehagen, obwohl er doch in diesen Berlinale-Tagen den ganzen Tag in Cafés, Konferenzräumen und Restaurants kaum etwas anderes macht als Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. Der Arbeitstag beginnt morgens um 8 und endet um 24 Uhr. Neue Filme, neue Namen – und die alten Probleme: Piraterie, Urheberrechte, Digitalisierung. Alle Gesprächspartner sind in der Stadt.

Manchmal fühlt sich Thies wie ein Erzähler, ein Zirkusmann. Im Gespräch ist spürbar, wie er arbeitet: „Wir müssen die Leute anstecken, über den Kopf oder das Herz“, sagt er. „Weil unsere Branche aber oft zu emotional ist, laufen wir Gefahr, zu kurz zu kommen, wenn es in der Politik handfest wird, wenn es um Machtpolitik und Interessen geht.“ Das müsse man aber auch können, „sonst rennen die einen über den Haufen“.

Monika Grütters, die neue Kulturstaatsministerin, hat Alexander Thies vergangene Woche auf dem Produzententag in Berlin persönlich kennengelernt. Hat er einen Wunsch? „Dass wir es schaffen, den Wert der Kultur und des Films für uns als Nation nicht nur als ein Grundrauschen zu betrachten, sondern als etwas, das ein größeres Publikum erreicht – auch jenseits der Grenzen“, sagt Alexander Thies. „Und dass es sich lohnt, hier zu investieren.“

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