Wirtschaft : Lobster Holding bietet Software à la carte

Computer-Spezialist ab 11.Mai im Berliner Freiverkehr HENRIK MORTSIEFER.Angst vor der großen Korrektur auf den Aktienmärkten scheint Alexander von Troschke nicht zu haben.Der Geschäftsführer der Berliner Lobster Technology Holding AG blickt gelassen dem Börsengang seines Unternehmens entgegen.Am 11.Mai ist es so weit: Das Computer-Haus wird in den Berliner Freiverkehr eingeführt."Unser Going Public bringt nicht nur Geld, sondern auch Image", ist von Troschke überzeugt.Sollten die Kurse noch kurz vor der Einführung auf dem Berliner Parkett ins Trudeln geraten, werde dies eher zu einer realistischen Marktbewertung führen.Den Zeitpunkt des Börsengangs hält er für richtig: "Das Börsenklima ist derzeit optimal." Mit Skepsis beobachtet der Unternehmer allerdings die Höhenflüge einiger Neuemissionen der vergangenen Monate.Von Troschke wünscht sich einen vergleichsweise soliden Börsenstart ohne überhitzte Spekulationsgelüste der Anleger. Der Gang an die Börse soll acht bis zehn Mill.DM in die Lobster-Kassen spülen.Zwischen 16 und 20 DM werde das Papier kosten, von Troschke geht von einem Emissionspreis am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne aus.500 000 Aktien werden ausgegeben, in den Handel gebracht wird Lobster von der Berliner Freiverkehr (Aktien) AG. Mit dem eingespielten Kapital will die Lobster-Holding vor allem den Vertrieb der Tochtergesellschaften Lobster Computer Concept GmbH und mention Software GmbH in Schwung bringen.Im Zentrum steht dabei die hauseigene Software "mention", ein von der Software-Tochter entwickeltes elektronisches Warenwirtschaftssystem, das seit 1997 vermarktet wird und Lobster-Chef von Troschke ins Schwärmen bringt: "Wir glauben, das beste System auf dem Markt zu haben." Mit "mention" können Kunden-Lieferanten-Beziehungen vollständig online abgewickelt werden, das heißt Warenwirtschaftssystem, Finanzbuchhaltung, Produktionssteuerung, Dokumentenverwaltung und Telefondienste werden in einem Programm integriert - je nach Kundenwunsch in jeder Fremdsprache."Wir haben bei der Entwicklung von mention auf dem Markt befindlichen Einzel-Technologien unter einen Hut gebracht", beschreibt von Troschke die Vorgehensweise. Zuversichtlich, daß sich die Software alsbald auf dem Markt durchsetzen wird, stimmt von Troschke die Resonanz der Kunden.20 Applikationen hat Lobster inzwischen verkauft.Da sich die Unternehmen mit "mention" ein gänzlich neues, organisatorisches "Herz" geben müssen, wird die Software-Anschaffung entsprechend ausführlich geprüft.Deshalb sei die bisher verkaufte Stückzahl befriedigend, meint von Troschke.Für das Rumpfgeschäftsjahr bis 30.Juni 1998 rechnet die mention Software GmbH mit einem Umsatz von knapp zwei Mill.DM.1998/99 sollen neun Mill.DM, ein Jahr später 18 Mill.DM umgesetzt werden. Umsatzstütze der Lobster Holding bleibt einstweilen aber das Stammgeschäft, das die Tochter Lobster Computer Concept GmbH seit der Gründung im Jahr 1990 mit der Herstellung und später Distribution von individuell konfigurierten Rechnern und Netzwerkservern betreibt - als Exklusiv-Partner großer Produktionshäuser und Handelsketten, etwa Computer 2000.Mit seiner "Distribution à la carte", wie es der Imageprospekt nennt, hat sich Lobster einen Namen gemacht und ein festes Fundament für die Entwicklungsarbeit im Softwaresektor geschaffen.Im letzten Geschäftsjahr wuchs der Umsatz von 8,7 auf 12,2 Mill.DM, ein stattliches Plus von 40 Prozent.Im laufenden Jahr erwartet Lobster rund 15 Mill.DM, 1998/99 soll erstmals die 20-Mill.-DM-Grenze überschritten werden."Software allein wäre zu riskant, Hardware allein zu konservativ", beschreibt von Troschke die Lobster-Mischung, die auch künftigen Aktionären gefallen werde."Im Hardwarebereich sind wir ein gestandenes Unternehmen, die Software läßt genug Raum für Phantasie." Für die weitere Börsenkarriere hat sich der Berliner Computer-Spezialist viel vorgenommen."Das Kursziel der Lobster-Aktie liegt bei 50 DM in zwei Jahren", gibt sich der Geschäftsführer selbstbewußt.Damit sei Lobster auch reif für eine Notierung an der Nasdaq.Einen Auftritt auf dem Neuen Markt will Lobster überspringen.Der Zockermarkt in Frankfurt sei zu spekulativ und "noch zu wenig gefestigt".

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