L’Occitane-Gründer : "Öko hat seinen Preis"

Rettet den Lavendel: Olivier Baussan, Gründer der Kosmetikfirma L’Occitane, spricht im Interview über fairen Handel und Wachstum in Deutschland.

Olivier Baussan.
Olivier Baussan.Foto: promo

Herr Baussan, Ihre Kosmetik- und Pflegeprodukte kommen aus der Provence in Frankreich. Was ist das besondere an Ihren Cremes und Seifen?

Das besondere an unserer Marke ist die Philosophie, die dahintersteckt. Wir versuchen, uns für eine ökonomische und ökologische Entwicklung einzusetzen, um Nachhaltigkeit zu fördern. Wir bekommen unsere Inhaltsstoffe direkt von Bauern und Kooperativen und handeln mit ihnen faire Preise aus. Das meiste stammt aus der Mittelmeerregion, aber wir beziehen auch Inhaltsstoffe aus Afrika. Unsere Shea-Butter für Körperlotionen etwa kommt aus vier Kooperativen in Burkina Faso. Die Frauen, die dort für uns arbeiten, haben die Möglichkeit, die Schule zu besuchen und lesen und schreiben zu lernen. Wir achten auch darauf, dass der Anbau der Rohstoffe wie Lavendel oder Rosmarin möglichst umweltschonend geschieht.

Was unterscheidet Sie denn von anderen Bioherstellern?

Natürlich gibt es Hersteller wie etwa Body Shop, die ebenfalls auf Tierversuche verzichten und mit Kooperativen zusammenarbeiten, oder Firmen wie Dr. Hauschka, die auf natürliche Inhaltsstoffe setzen. Und ich sage nicht, dass unsere Produkte besser sein müssen als die dieser Hersteller. Einzigartig bei uns ist aber die Kombination aus den natürlichen Inhaltsstoffen mit dem sozialen und ökologischem Engagement.

Wie ist Ihre Idee entstanden, Pflegeprodukte herzustellen? Eigentlich haben Sie Literatur studiert.

Ich komme aus der Provence und bin in Manosque zwischen Lavendelfeldern aufgewachsen. Nach meinem Studium kaufte ich 1976 eine alte Destilliermaschine, um mein eigenes ätherisches Rosmarinöl herzustellen. Das war der Beginn von L’Occitane. Ich verkaufte es auf den Märkten in der Region, später kamen immer mehr Produkte hinzu. Über die Jahre sah ich, dass sich die Landschaft der Provence veränderte, der Lavendel wich lukrativeren Anbaupflanzen wie Mais. Mir ist es wichtig, diese natürlichen Strukturen der Region zu erhalten. Mit meiner Produktion schaffe ich zum Beispiel die Nachfrage nach feinem Lavendel und helfe dabei, dass er nicht aus der Landschaft verschwindet.

Sie haben mehr als 780 Geschäfte weltweit, in Deutschland sind Sie nur mit 27 Läden vertreten. Warum?

In Deutschland hatten wir einen schweren Start. Es ist kein leichter Markt. In den 80er Jahren gab es das Problem, dass die Produkte nur französisch beschriftet waren. Die deutschen Kunden wollten aber eine Übersetzung, um genau zu wissen, was darinsteckt. In Amerika zum Beispiel, einem unserer stärksten Märkte, war das kein Problem. Zunächst arbeiteten wir in Deutschland mit Distributeuren, aber das hat nicht gut funktioniert. Deshalb setzen wir nun auf eigene Geschäfte. Seit 2004 bauen wir hier unser eigenes Boutiquennetz sowie die Einzelhandelsdistribution aus.

Im vergangenen Jahr sind acht Geschäfte dazugekommen, wie viele sollen es werden?

Wir könnten uns vorstellen, uns in den nächsten Jahren in Deutschland zu verdoppeln – auf etwa 60 Geschäfte. Allerdings brauchen wir Zeit, um die Standorte der Läden richtig zu wählen und geschultes Personal zu rekrutieren.

Auch in Berlin?

Ja, mit Sicherheit. Wir sind ja schon am Kurfürstendamm, an der Friedrichstraße und im Hauptbahnhof mit eigenen Läden vertreten. Für uns ist die Schlossstraße in Steglitz interessant, aber auch im Gebiet um den Hackeschen Markt könnten wir uns vorstellen, einen Laden zu eröffnen.

Wie viel wollen Sie für den Ausbau des Ladennetzes in Deutschland investieren?

Wir rechnen mit einer Investition von vier bis fünf Millionen Euro.

Welches Wachstum erwarten Sie für Deutschland? Und in welchen Segmenten?

Trotz der Krise konnten wir beim Umsatz deutlich zulegen, 2009 ganze 50 Prozent. Der Umsatz in Deutschland lag bei zwölf Millionen Euro. Für 2011 erwarten wir ebenfalls ein Wachstum im zweistelligen Bereich. Besondere Chancen räumen wir in Deutschland der Gesichtspflege, insbesondere dem Anti-Aging-Segment, ein.

Wie sieht Ihre Zielgruppe aus?

Zu uns kommen Leute, denen unsere Philosophie wichtig ist. Es geht darum, durch kleine Entscheidungen im Alltag etwas zu verbessern. Wem es wichtig ist, dass faire Löhne gezahlt werden, dass die Natur geschont wird, der kauft gerne bei uns. Natürlich spielt auch das Französische eine Rolle. Schließlich stammen alle Produkte, die Sie bei uns kaufen können, direkt aus der Provence. Naturgemäß kaufen aber mehr Frauen bei uns als Männer.

Was verkauft sich in Deutschland am besten?

In Deutschland verkaufen sich Cremes besonders gut, sowohl für Körper- als auch für die Gesichtspflege. Aber auch unsere Männerlinie kommt hier besonders gut an.

Vor welchem Wettbewerber haben Sie am meisten Angst?

Es gibt in Deutschland gute Naturkosmetikhersteller wie Dr. Hauschka und Weleda, ein weiterer Wettbewerber ist sicher der Body Shop. Auch er arbeitet ja mit eigenen Läden, wie Yves Rocher. Wir haben keine Angst, aber durchaus Respekt vor unseren Wettbewerbern.

Wie wollen Sie sich gegen die Konkurrenz durchsetzen?

Damit, dass es bei uns nicht nur gute natürliche Produkte mit ästhetischem Design gibt, sondern dass Sie mit einem Kauf soziales und ökologisches Engagement fördern.

Sie schwimmen also auf der gerade gefragten Nachhaltigkeits- und Ökowelle mit?

Ja, natürlich profitieren wir davon, dass in Deutschland nachhaltige Produkte sehr gefragt sind. Wir hoffen auch, dass das so bleibt. Allerdings dürfen wir von uns behaupten, diese Welle mit einigen anderen Idealisten und Unternehmern vor nun fast 35 Jahren in Gang gebracht zu haben.

Derzeit werden immer noch alle Ihre Produkte in Frankreich produziert. Soll das auch trotz Ihrer Wachstumspläne so bleiben?

Auf keinen Fall werden wir die Produktion verlagern. Unsere Fabrik in der Provence mit 3000 Quadratmetern wird gerade vergrößert. Derzeit arbeiten dort 550 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb, künftig sollen es 1000 sein. Natürlich kommen einige unserer Inhaltsstoffe von weit her, aber hergestellt, befüllt und kontrolliert wird alles in Manosque.

In den Schwellenländern wachsen Sie besonders und sind dort stark vertreten. Warum läuft dort das Geschäft so gut?

In den Schwellenländern geht es vielfach eher um die Naturprodukte und den französischen Charakter. Besonders in Asien läuft unser Geschäft sehr gut, zu Japan, Hongkong und Südkorea gesellt sich nun auch ein wachsender chinesischer Markt. In Südamerika boomt Brasilien, und in Indien bauen wir gerade die ersten Geschäfte auf.

Dabei sind Ihre Produkte teuer. Muss Öko so viel kosten?

Ja. Dafür gibt es bei uns keine Zusatzstoffe, keine Billigproduktion in Asien, keine Abzocke bei den Bauern und Zulieferern. Wir haben zu allen Produzenten persönlichen Kontakt. Das alles hat seinen Preis.

Ihr Unternehmen gehört größtenteils Investoren. Sie selbst halten fünf Prozent.

Es gibt fünf große Investoren, die alle auch im Unternehmen selbst engagiert sind. Zum Beispiel der Hauptanteilseigner Reinold Geiger, der etwa die Hälfte der Anteile hält. Nur 20 Prozent unseres Unternehmens sind im Streubesitz, seit wir an der Hongkonger Börse notiert sind.

Sind Sie offen für eine Übernahme?

Nein. Wir haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass das Geschäft wieder größtenteils in unseren Händen liegt. Auch der Kosmetikkonzern Clarins hält nun seit diesem Sommer keine Anteile mehr. Eine Übernahme können wir uns nicht vorstellen.

Das Gespräch führte Jahel Mielke.

ZUR PERSON

ERFINDER

Olivier Baussan, geboren 1953 und aufgewachsen in Manosque in der Provence, studierte Literatur in Aix- en-Provence. Nach seinem Studium begann er 1976, eigene ätherische Öle, Shampoos und Cremes herzustellen. Seine Produkte verkaufte er auf den Märkten in der Region und schuf die Marke L’Occitane en Provence. 1996 zog sich Baussan aus dem operativen Geschäft zurück und arbeitet nun in der Produktentwicklung. Reinold Geiger führt die Geschäfte.

UNTERNEHMEN

1979 eröffnete das erste Geschäft von L’Occitane en Provence in Volx in Frankreich. Heute hat das Unternehmen weltweit mehr als 780 eigene Läden. Im Geschäftsjahr 2009 erlöste L’Occitane 612 Millionen Euro, knapp 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn lag bei rund 84 Millionen Euro. Auch im ersten Halbjahr 2010 legte L’Occitane bei Umsatz und Gewinn zu. Seit 2010 ist das Unternehmen an der Hongkonger Börse notiert.

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