Lock8 : Smartphone wird Fahrradschlüssel

Zwei Berliner haben ein Fahrradschloss mit intelligenter Software entwickelt: Es verknüpft Diebstahlsicherung mit GPS-Technik. Bald soll das Schloss auch den Fahrradverleih revolutionieren.

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Angeschlossen. Das neuartige Schloss ist mit dem Smartphone verbunden.
Angeschlossen. Das neuartige Schloss ist mit dem Smartphone verbunden.Foto: promo

Im Leben der beiden Oxford-Studenten Franz Salzmann und Daniel Zajarias-Fainsod gab es ein wiederkehrendes Ärgernis: Fahrraddiebe. An einem sonnigen Tag im Spätsommer 2012 ließen sie sich bei einer Tasse Kaffee darüber aus. Beiden war vor kurzem das Rad geklaut worden, wieder einmal. Da saßen sie nun, mit all den Technologien des 21. Jahrhunderts vor Augen und mussten feststellen, „dass Fahrradschlösser wahnsinnig altmodisch sind“, erzählt Salzmann. Der BWLer und der Biomedizintechniker Zajarias-Fainsod beschlossen, sich der Sache anzunehmen.

Eineinhalb Jahre und fünf Prototypen später präsentierten die beiden Tüftler im vergangenen Oktober ihr intelligentes Fahrradschloss Lock8 beim Tech-Crunch Disrupt Cup, einem internationalen Start-up-Wettbewerb, der 2013 erstmals in Berlin stattfand. „Wir haben vorher niemandem von unserem Projekt erzählt. Wir wollten erst damit rausgehen, wenn wir sicher waren, ein wirklich gutes Produkt zu haben“, sagt Salzmann.

40000 Euro Preisgeld

Ausgesprochen klingt Lock8 wie „locate“, also orten oder finden, und genau darum geht es: Das Hightech-Fahrradschloss verknüpft die Diebstahlsicherung mit moderner GPS-Technologie, mit der sich das Rad per Smartphone-App jederzeit orten lässt.

Die Erfindung der beiden 28-Jährigen wurde mit 40.000 Euro Preisgeld belohnt und jeder Menge Aufmerksamkeit. Es folgte eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne auf Kickstarter. Gut 72.000 Euro sammelte das in London und Berlin ansässige Start up innerhalb eines Monats ein.

Zwei Investoren, Horizon Ventures aus Hongkong und Otto Capital aus Holland, schossen dann auch noch eine insgesamt siebenstellige Summe zu. Darauf hatten Salzmann und Zajaraias-Fainsod spekuliert: „Wir wollen sehr schnell expandieren, in Europa und den USA“, verrät Salzmann. Zwölf Mitarbeiter beschäftigt Lock8 bisher. Ein Büro in Los Angeles wird demnächst eröffnet.  

Im Mai ist die erste Generation auf dem Markt

In Mexiko bereiten die Gründer indessen den Produktionsstart der ersten Lock8-Generation vor, die im Mai verschifft werden soll. Mexiko war die erste Wahl des Start-ups, zum Einen, weil es das Heimatland von Zajarias-Fainsod ist. Die Jungunternehmer hätten sich aber auch von der technologischen Kompetenz und den hohen Qualitätsstandards der mexikanischen Betriebe überzeugen lassen, erklärt Salzmann. Nicht umsonst ließen auch US-amerikanischen Hightech-Unternehmen mit Vorliebe in dem aufstrebenden Nachbarland produzieren.

Lock8 wird neben einer Funkverbindung zum Smartphone auch jede Menge Sensoren haben. Macht sich ein Dieb an Kabel oder Gehäuse zu schaffen, wird ein Alarmsignal ausgelöst, wie man es sonst nur von Autos kennt. Gleichzeitig sendet das Schloss eine SMS an seinen Besitzer. Die Batterie im Hightech-Kern lädt sich beim Fahren durch Induktionsstrom auf.

Etwa 145 Euro soll der Verbraucher für das Super-Schloss hinblättern. Nicht jedem wird der eigene Drahtesel so viel wert sein.

Bikesharing soll einfacher werden

Mit einer Plattform für den kommerziellen Gebrauch schielen Salzmann und sein Partner aber vor allem auf den weltweiten Markt für Bikesharing-Angebote. Fahrrad-Verleiher, Kommunen, Hotels und Hostels, aber auch Privatpersonen sollen künftig ihre mit dem GPS-Schloss aufgemotzten Zweiräder vermieten können. Dazu schickt der Verleiher einen elektronischen Schlüssel aufs Handy des Kunden.

Lock8 könnte in deutschen Städten eine Alternative zum Fahrradverleih-System der Deutschen Bahn schaffen. Anders als bei der Bahn-Einheitsflotte wären die Nutzer der App unabhängig von den Stationen, die es nur an zentralen Stellen gibt. Das dürfte vielen die Entscheidung fürs Leihfahrrad erleichtern. Salzmann hofft deshalb auf die Unterstützung aus der Politik, die sich den Ausbau alternativer Mobilitätskonzepte schließlich oft und gerne auf die Fahnen schreibt.

Diebe müssen zu Hackern werden

Lock8 wird aber bald auf Konkurrenten treffen. In San Francisco bastelt ein Team schon seit Längerem am Bitlock. Auch in der Fahrradstadt Berlin hat man dank des Start ups Clyc schon vom schlauen Schloss gehört. Gründer Michael Usher hatte seine Idee von einer Schnittstelle zwischen Smartphone und Fahrrad schon im März 2013 in einem Online-Video beworben. Dass er nun bei der Umsetzung von anderen überrundet wurde stört Usher nicht. Das intelligente Fahrradschloss sei ein Konzept, das auf viele verschiedene Arten umgesetzt werden könne. „Am Ende entscheidet der Kunde, welches Produkt ihm mehr zusagt.“

Fahrraddiebe sollten sich jedenfalls jetzt schon mal überlegen, ob sie nicht demnächst zum Hacker umschulen. Andererseits: Wer in der Lage sei, das Verschlüsselungssystem von Lock8 zu knacken, werde sich wahrscheinlich doch lieber gleich über Bankkonten statt über Drahtesel hermachen, kommentieren die Macher auf ihrer Webseite.



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