Wirtschaft : Löcher im Sparstrumpf

ROLF OBERTREIS

Auf den ersten Blick ist die Erkenntnis nicht schlüssig: Die Deutschen sparen immer weniger, werden aber immer vermögender.Das liegt an der Wertentwicklung von Immobilien und Aktien.Wäre der Wert von Grundbesitz und Anteilsscheinen in den letzten Jahren nicht so deutlich geklettert, dann sähe die Sache anders aus.

Auch die jüngste Analyse der Bundesbank zeigt: Hohe Steuern und Abgaben sind dem Sparen nicht gerade zuträglich.Sie schmälern die verfügbaren Einkommen, und dann bleibt oft nur wenig oder gar nichts für die Rücklagen.Es würde sich daher auszahlen, wenn die Lasten spürbar gesenkt würden.Auch volkswirtschaftlich.Es würde mehr gespart, und damit wäre auch wieder mehr Kapital verfügbar, um Investitionen anzukurbeln.Hinzu kommt: Wer eigene Rücklagen bildet, ist auch im Alter versorgt und nicht auf die maroden Rentenkassen angewiesen.Doch ob die Bereitschaft, selbst Vorsorge zu treffen, auch anhält, wenn nach der geplanten Halbierung der Sparerfreibeträge der Fiskus bei den Zinseinnahmen noch stärker die Hand aufhält, ist fraglich.

Dabei spricht vieles für das Sparen.Man kann den Traum von den eigenen vier Wänden realisieren oder Wertpapiere kaufen.Und in der Regel ansehnliche Wertsteigerungen mitnehmen.Jedenfalls war das in den letzten Jahren so.Und die Aussichten, daß der Trend anhält, sind nicht schlecht.Den Deutschen geht es gut.Allerdings nur im Durchschnitt: Wer das Geld für Aktienkäufe hat und auf die richtigen Papiere setzt, dem geht es doppelt so gut.Wem dieses Anlagekapital fehlt, der ist in den letzten Jahren zurückgefallen.Die Schere zwischen vermögend und weniger vermögend wird größer.Doch ein Trost bleibt: Mit Blick auf die niedrigen Zinsen hält sich auch die Verschuldung in Grenzen.Kredite werden billiger.Eine gute Nachricht auch für diejenigen auf der Schattenseite.

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