Loewe AG : Chinesen sollen insolventen Fernsehbauer retten

Der angeschlagene Fernsehhersteller Loewe - vor 90 Jahren in Berlin gegründet - arbeitet künftig eng mit dem chinesischen Marktführer Hisense zusammen. Die edlen Geräte soll es dann auch in Technikmärkten geben.

von
Loewe befindet sich im Schutzschirmverfahren.
Loewe befindet sich im Schutzschirmverfahren.Foto: dpa

Es ist geradezu symbolisch, dass der TV-Hersteller Loewe seine entscheidende Hauptversammlung in Berlin abhält. Vor 90 Jahren haben die beiden Brüder Siegmund und David Ludwig Loewe in Friedenau die Radiofrequenz GmbH gegründet und damit den Grundstein für den heutigen Konzern gelegt. Am Mittwoch präsentierte die Loewe AG ihren Aktionären dann in der Hauptstadt einen neuen Partner: den chinesischen Fernsehbauer Hisense. Mit ihm geht Loewe eine strategische Partnerschaft ein. Er soll dem Unternehmen helfen, aus der Insolvenz herauszukommen.

In Zukunft wird die fränkische Firma mit Hisense bei Einkauf, Produktion, Entwicklung und Vertrieb zusammenarbeiten. Das soll zum einen die Kosten senken, zum anderen soll es Loewe ermöglichen, seine Produkte auch in Asien auf den Markt zu bringen. Vorstandschef Matthias Harsch nannte das am Mittwoch eine „radikale Neuausrichtung“. Denn bislang war Loewe vor allem in Europa aktiv – und verkaufte seine Fernseher ausschließlich über Fachhändler. Doch das, gab Harsch am Mittwoch offen zu, sei „eine Einbahnstraße“.

Mitte Juni hatte der Fernsehbauer, der heute im fränkischen Kronach sitzt, nach drei Verlustjahren in Folge Insolvenz anmelden müssen. Der Vorstand beantragte ein so genanntes Schutzschirmverfahren. Das ist eine spezielle Form des Insolvenzverfahrens, das dem Unternehmen drei Monate Zeit bringt, eine Strategie für die Zukunft zu finden.

So sagte Harsch dann auch: „Die strategische Partnerschaft mit Hisense ist ein zentraler Meilenstein in der weiteren Restrukturierung. "Weil die chinesische Firma – die in ihrem Heimatland Marktführer ist – deutlich mehr Fernseher im Jahr absetzt als Loewe hierzulande, kann der deutsche Fernsehbauer durch die Kooperation seine Kosten senken. Denn angedacht ist zum Beispiel, dass die beiden Firmen in Zukunft entscheidende Komponenten gemeinsam am Markt einkaufen – und die sind im Dutzend billiger. Produzieren will Loewe allerdings weiterhin in Deutschland – und zwar auch die Fernseher, die künftig in China verkauft werden sollen. Made in Germany sei in Asien durchaus gefragt, argumentierte der Vorstand.

Die Rettung von Loewe bedeutet der Vertrag mit der chinesischen Firma allerdings noch nicht. Denn das Unternehmen hat über Jahre verpasst, sich an die Entwicklung des Marktes anzupassen. Das gab Harsch am Mittwoch ganz auch offen zu. Es werde deutlich, „dass sich das traditionelle Geschäftsmodell der Loewe AG überholt hat“, sagte er. Der Fachhandel, über den Loewe seine Fernseher in der Vergangenheit ausschließlich verkauft hat, hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung verloren. In Zukunft will der Fernsehbauer deshalb seine Geräte auch im Flächengeschäft anbieten, das heißt bei den großen Ketten. Dort soll es dann nicht nur die teuren Premium-Fernseher sondern auch günstigere Einsteigermodelle geben.

Derzeit gebe es Verhandlungen mit der Media-Saturn-Holding. Spruchreif ist zwar noch nichts, aber ein einflussreicher Einkäufer habe sich im Erstgespräch anderthalb Stunden Zeit genommen, berichtete Harsch. Das sei ein gutes Zeichen. Weitere Gespräche sollen folgen.

Dass Harsch selbst über Verträge redet, die noch nicht mal unterschrieben sind, zeigt, wie ernst die Situation ist. Um weiter bestehen zu können, braucht Loewe dringend einen neuen Investor, der Kapital einbringt. Immerhin steigen jetzt die Chancen, dass das gelingen könnte. Das scheinen zumindest die Anleger zu glauben. Die Loewe-Aktie legte am Mittwoch um 30 Prozent zu.

Autor

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben