Logistik : "Abfall ist verlorener Gewinn"

Die Kreislaufwirtschaft verlangt neue Lösungen von der Transportbranche. Mehr Recycling kann auch mehr Verkehr nach sich ziehen. Doch sogar Flughäfen werden jetzt nachhaltig.

Susanne Ehlerding
Logistik für Fußgänger: Eine Anzeigetafel im Stuttgarter Flughafen zeigt den Reisenden, wo sie am schnellsten durch den Sicherheitscheck kommen.
Logistik für Fußgänger: Eine Anzeigetafel im Stuttgarter Flughafen zeigt den Reisenden, wo sie am schnellsten durch den...Foto: W. Kastl/dpa

Eigentlich macht der niederländische Teppichhersteller Desso alles richtig. Seine Produkte sind perfekt recycelbar, Plastikunterlage und Wollauflage der Teppiche lassen sich leicht trennen und wiederverwenden.

Doch nach dem Waschen der Wolle hatte Desso ein Problem: Frisch gereinigt nahm sie ein Vielfaches ihres ursprünglichen Volumens ein. Mehr Lkw für den Transport von der Wäscherei zurück ins Desso-Werk und mehr Kohlendioxidausstoß wären die Folge gewesen. Was tun, um die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens zu halten? Desso entwickelte ein Verfahren, bei dem ein Teil der Wolle erhitzt wird, sich verfestigt und weiche, flockige Wolle wie in einem Ball zusammenpresst.

„Desso ist ein Beispiel dafür, wie die Ansprüche der modernen Kreislaufwirtschaft auch die Logistik vor neue Herausforderungen stellen“, sagt der schwedische Berater Stuart Pledger. Er rührt schon seit Jahren die Werbetrommel für das Thema Nachhaltigkeit und stößt dabei immer öfter auf Interesse, sagt er. Am besten ködern ließen sich Unternehmen mit dem Satz: „Abfall ist verlorener Gewinn“, berichtet Pledger.

Die Hälfte der BSR-Flotte fährt mit Biogas

Immer weniger Abfall zu produzieren ist der Sinn des deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Es schreibt beispielsweise vor, dass Biomüll seit Januar 2015 in jedem Haushalt getrennt erfasst werden muss. In Berlin geschieht das schon länger: Der Berliner Biomüll wird in einer Biogasanlage der BSR zu Methan aufbereitet und ins Gasnetz eingespeist. 150 gasbetriebene Müllfahrzeuge fahren damit – etwa die Hälfte der gesamten Flotte

In extrem dünn besiedelten Regionen aber ist es schwieriger, den Biomüll kostengünstig zu zentralen Sammelstellen zu bringen. Deshalb könnten sich dort überproportionale „Kosten- und Abfallgebührensteigerungen“ ergeben, räumt das Bundesumweltministerium ein.

Nachhaltigkeit als Konzept aber ist politisch gewollt, um Ressourcen zu schonen und die Wirtschaft zukunftsfähig zu machen. Auch Logistikunternehmen reihen sich in diesen Trend ein – selbst dort, wo man es nicht unbedingt vermuten würde, am Flughafen nämlich.

So hat der Flughafen Stuttgart ein sogenanntes Fairport-Konzept entwickelt, mit dem alle Bereiche des Unternehmens auf Nachhaltigkeit eingeschworen werden. Er ist damit nicht der einzige in Deutschland, aber einer der Vorreiter. Elektrobusse etwa werden die Passagiere in Stuttgart bald übers Vorfeld zum Flugzeug bringen – die Hälfte der Flotte ist demnächst umgestellt. „Der Energieverbrauch pro Passagier wird damit um 80 Prozent gesenkt“, sagt Flughafensprecher Johannes Schumm. Die Busse kosten aber auch deutlich mehr als ein Dieselbus.

Je lauter desto teurer

Mit anderen Worten: „Nachhaltigkeit muss man sich auch leisten können“, sagt Schumm. Zu ihrem Gelingen gehört unbedingt auch der wirtschaftliche Aspekt, nicht nur der ökologische und der soziale.

Flughäfen als Dreh- und Angelpunkte des Flugverkehrs stünden aber in einer großen Verantwortung, nachhaltige Strategien zu entwickeln, sagt Johannes Schumm. In Stuttgart hat man versucht, sämtliche Aspekte zu beachten: Lärm und Abfälle, Stromverbrauch und Wasserschutz - die Enteisungsmittel auf den Landebahnen sind das Problem - die Anreise zum Flughafen und der ökologische Fußabdruck der eingekauften Betriebsmittel.

Mit lärm- und emissionsabhängigen Landeentgelten versuche sein Unternehmen langfristig auf die Anschaffungspolitik der Airlines Einfluss zu nehmen, sagt der Sprecher. Die Flugrouten, wo das meiste Kohlendioxid beim Flugverkehr entsteht, könne man dagegen nicht beeinflussen. Doch ein neuer Masterplan fürs Energiesparen, der im kommenden Jahr fertig sein soll, werde die eigenen Emissionen des Flughafens Stuttgart noch einmal ganz genau angreifen.

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