Wirtschaft : Logistik für Wachstum

Heute startet in Berlin der 23. Deutsche Logistikkongress Von Frank Straube

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Die Internationalisierung deutscher Firmen wird immer rasanter. Beschaffung, Produktion und Produktverkauf in allen Erdteilen sind mittlerweile auch für mittelständische Unternehmen ein wichtiges Thema. Eine aktuelle Befragung der TU Berlin in Deutschland und Asien bestätigt diesen Trend. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen geben an, ihre Aktivitäten in Indien, China und Russland in naher Zukunft auszubauen. Nicht alleine Kostensenkung durch preiswerte Standortwahl treibt die Unternehmen, sondern eine Verbesserung ihrer strategischen Wettbewerbsposition. Erfolgreiche Unternehmen investieren in ein leistungsfähiges Logistikmanagement, um ihren weltweiten Kunden eine kurze Lieferzeit und vor allem pünktliche Lieferungen zu garantieren. Allerdings ist für viele die systematische und flexible Planung von Lieferketten die größte Herausforderung. Oft ist die Verlässlichkeit der Logistik noch unzureichend, so liegt die Termintreue im deutschen Maschinenbau aktuell bei nicht mehr als 40 Prozent.

Die Wandlungsfähigkeit logistischer Netzwerke ist aber ein Schlüssel für den Erfolg, denn Standorte für die Produktion werden heute nach wenigen Jahren wieder verändert. Unternehmen, die in der chinesischen Küstenregion vor drei Jahren investiert haben, gehen heute bereits weiter in das chinesische Hinterland sowie nach Vietnam und Indien.

Die Logistik in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen ist durch diese Trends seit einigen Jahren zu der wichtigsten Jobmaschine Deutschlands geworden und erzeugt gerade durch die Globalisierung jährlich drei Prozent mehr Arbeitsplätze im Transport und sogar acht Prozent mehr im Logistikmanagement. Die Qualifikation von Managern der Logistik ist entscheidend geworden zur Sicherung von Unternehmensstandorten in Deutschland. Dabei sind die heute 2,7 Millionen Beschäftigten in der deutschen Logistik in ihrer Leistungsfähigkeit sogar führend in Europa.

Allerdings sind weitere Anstrengungen notwendig, um diesen Wettbewerbsvorteil zu halten und auszubauen. Um die wachsende Nachfrage nach qualifizierten Logistikmanagern zu befriedigen, müssen weitere Ausbildungskapazitäten sowohl in der Erstausbildung als auch der regelmässigen Weiterbildung geschaffen werden. Am Bereich Logistik der Technischen Universität Berlin wird beispielsweise mit 250 internationalen Studierenden jährlich die größte Zahl an Absolventen in Deutschland unterrichtet – und alle werden vom Arbeitsmarkt aufgenommen. Die Nachfrage nach diesen hochqualifizierten Menschen liegt aber nach Unternehmensschätzungen etwa ein Fünftel über den Kapazitäten deutscher Universitäten. Ausdrücklich zu begrüssen ist der in Vorbereitung befindliche „Masterplan Verkehr und Logistik“ des Bundesverkehrsministers Wolfgang Tiefensee, mit dem die Zukunft des Standortes Deutschland als Zentrum logistischer Netzwerke gestärkt werden soll. Zu hoffen ist, dass das Feld der angewandten Forschung und Ausbildung hierin Berücksichtigung findet, denn nur so können die komplexen Managementaufgaben der Zukunft beherrscht werden. Hochinnovativ ist auch das Konzept der Deutschen Bahn AG zu bewerten, durch eine kooperative Planung aller Beteiligten in internationalen Logistikketten die Integration des Transports ab europäischen Seehäfen zu organisieren, damit Engpässe und Zeitverluste eliminiert werden. Wünschenswert wäre aber auch, dass die vielen Logistikinitiativen in Deutschland nicht weiter isoliert arbeiten, sondern sich vernetzen.

Entscheidend für die Zufriedenheit von uns Kunden mit der Leistung internationaler Lieferketten ist die Fähigkeit von Unternehmen, Netzwerke, Technologien und vor allem Menschen miteinander erfolgreich arbeiten zu lassen. Dieses ist das Motto des 23. Deutschen Logistik- kongresses, der diese Woche in Berlin mit mehr als 3000 Teilnehmern aus der ganzen Welt stattfindet.

Professor Frank Straube leitet den Bereich Logistik an der TU Berlin und ist stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung Logistik.

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