Wirtschaft : Logistiker erwarten starkes Wachstum Verband: Globalisierung erst am Anfang

Bernd Hops

Berlin - Die Logistikbranche wird auch in den kommenden Jahren massiv vom expandierenden Welthandel profitieren. Zuwachsraten von bis zu 15 Prozent beim Umsatz seien etwa in Europa zu erwarten, sagte Manfred Boes, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV), dem Tagesspiegel. „Für die nächsten zwei, drei Jahre gehen wir davon aus“, sagte Boes, der vor kurzem auch zum Präsidenten des internationalen Branchenverbands FIATA gewählt wurde. Zwar herrsche scharfer Wettbewerb. „Aber wir stehen erst am Anfang der Globalisierung“, sagte Boes.

Der Zusammenschluss FIATA hat insgesamt 98 nationale Einzelverbände und 5000 Firmen als Mitglieder. Die Branchenvertreter werden laut Boes auch an internationalen Verhandlungen beteiligt und sitzen in Gremien der Vereinten Nationen. Außerdem versuche die FIATA zu vermitteln, wenn sich die Branche wie zuletzt in der Türkei durch neue Regelungen zu sehr belastet fühlt.

Doch parallel zu seinem Amt als globaler Spediteursrepräsentant will er auch weiter für die deutsche Branche arbeiten. „Deutschland war immer eine der führenden Nationen bei Speditionen und Logistikern“, sagte Boes. Was Effizienz und Struktur angehe, sei Deutschland weltweit führend – auch in Nischen. Doch sei bei dem Logistikstandort Deutschland „lange Jahre geschludert“ worden. Nur ein geringer Teil der Logistikzentren, die in Europa in den vergangenen Jahren neu errichtet wurden, habe Deutschland anziehen können, Belgien und Holland aber zusammen mehr als die Hälfte. Deshalb wolle er stärker für Deutschland werben, sagte Boes.

Die Einführung der Maut in Deutschland bewertete der Verbandspräsident positiv. „Die Bundesregierung kann dadurch das erste Mal ausländische Unternehmer zur Finanzierung der Infrastrukturkosten heranziehen“, sagte Boes. Die Technik laufe außerdem reibungslos. Und der Verbandspräsident sieht es „sehr positiv, dass jetzt auch Mautpreller verurteilt worden sind“.

Eine Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene habe es durch die Maut aber nicht gegeben. „Die Schiene hat dadurch keinen Vorteil gewonnen“, sagte Boes. Die Schiene habe immer noch Qualitätsprobleme – etwa bei der Pünktlichkeit –, die auch durch die zusätzliche Abgabe nicht ausgeglichen würden. Die Bahnbetreiber selber beklagen auch die – im Vergleich zu Deutschland – abgeschotteten Märkte in Europa, die es oft unmöglich machen, den größten Vorteil der Schiene auszunutzen: den preiswerten Transport über lange Strecken. Erst in den kommenden Jahren wird es in der Europäischen Union eine Öffnung des Schienengüterverkehrs geben, während Lkw schon seit langem mehr oder weniger ungehindert die Grenzen passieren können. „Die Güter suchen sich immer den günstigsten Weg – und günstig heißt nicht unbedingt billig“, sagte der FIATA-Präsident. Trotz der erneut versprochenen Qualitätsverbesserungen sehe er die Entwicklung beim Schienengüterverkehr deshalb „ausgesprochen skeptisch“.

Skeptisch ist Boes auch bei den Verhandlungen Deutschlands mit der EU über eine Kompensationsregelung für die Maut, die der Branche eigentlich in Aussicht gestellt wurde. „Nach allem, was wir wissen, wird Brüssel zu der geplanten Regelung Nein sagen.“ Eigentlich sollten Transporteure, die in Deutschland Maut zahlen, einen Teil der Mineralölsteuer zurückerstattet bekommen, falls sie auch in Deutschland tanken. Die Steuer dient nämlich auch der Finanzierung des Straßenbaus. Die EU-Kommission sieht aber ein zu großes Diskriminierungspotenzial gegenüber ausländischen Spediteuren. Die könnten zwar theoretisch die Steuerrückzahlung auch in Anspruch nehmen, in der Praxis sei das aber kaum zu erwarten. Sollten die Verhandlungen tatsächlich erfolglos bleiben, appellierte Boes nun an den Bund, die Kfz-Steuer zu senken – sie liegt in Deutschland für Lkw deutlich über dem europäischen Niveau – und Investitionszulagen beim Kauf neuer, umweltfreundlicher Laster zu geben.

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