Wirtschaft : Lohnrunde 2002: Die Lufthansa und der Flächentarif

Rainer Hank

Die Lohnrunde 2002 ist eröffnet. Erste Signale lassen nichts Gutes ahnen. Gewiss: Klappern gehört zum Geschäft. Doch jenseits des Rituals lassen zwei Äußerugen aufhorchen: Der Verweis der Gewerkschaften auf die Teuerung lässt eine aggressive Lohnrunde erwarten. Und ihre Instrumentalisierung des Lufhansa-Streiks zeigt, wie sich arbeitsmarktschädigende Verbandsmacht zu behaupten weiß. Tatsächlich ist die Inflation in Deutschland mit 3,5 Prozent im April auf ihren höchsten Stand seit Jahren geklettert. Alle Beobachter sind sich aber einig, dass dies auf Sondereinflüsse beim Erdöl und bei Lebensmitteln zurückzuführen ist. Nähmen die Gewerkschaften dies zum Anlass für Nachschlagforderungen, lösten sie in Zeiten flauer Konjunktur eine Lohn-Preisspirale aus. Das Gespenst der Stagflation würde Wirklichkeit. Dreist ist zudem, wie die IG Metall - Arm in Arm mit den Arbeitgebern - jetzt als Anwalt des Gemeinwohls den Flächentarif gegen egoistische Teilbelegschaften wie die Lufthansapiloten anpreisen. Dabei taugt der Lufthansa-Streik nicht als Argument für den Flächentarif. Keine Frage: Würde das Kartell aus Gewerkschaften und Verbänden abdanken, nähme die Lohnspreizung innerhalb der Unternehmen zu - am unteren und am oberen Ende. Technische Eliten wie die Piloten, für deren Knappheit die Lufhansa selbst gesorgt hat, erhielten mehr Macht. Einer produktivitäts- und marktgerechten Lohnfindung tut dies keinen Abbruch. Vom Ende des Flächentarifs würden alle profitieren: Arbeitslose, die zu ihren Preisen einen Job fänden, und Spezialisten, deren Knappheit sich bezahlt macht.

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