Wirtschaft : Lokführer boykottieren Tarifgespräche

Bernd Hops

Berlin - Die Bahn und die beiden Eisenbahnergewerkschaften Transnet und GDBA haben in der vergangenen Woche den Durchbruch bei ihren Tarifverhandlungen verkündet. Doch der Kompromiss hat einen Schönheitsfehler: Die Lokführergewerkschaft GDL hatte ihre Teilnahme am Spitzentreffen abgesagt. Gewerkschaftschef Manfred Schell sagte dem Tagesspiegel, es habe zu viele offene Punkte gegeben, die vor allem Lokführer und Zugbegleiter betreffen. Die Forderung der Bahn, Rufbereitschaften einzuführen, lehne die GDL kategorisch ab. Man sei aber zu Zugeständnissen bei der Wochenarbeitszeit bereit, um eine Verlängerung des im Dezember auslaufenden Beschäftigungspakts bis 2010 zu erreichen, sagte Schell.

In der GDL sind nach eigenen Angaben drei Viertel der 22000 Lokführer der Bahn organisiert. Damit ist die GDL im Vergleich zu Transnet, in der 280000 Beschäftigte organisiert sind, sehr klein. Doch versucht die GDL, eine eigenständige Tarifpolitik zu machen. Da die Lokführer eine strategisch wichtige Rolle im Bahngeschäft spielen, kann die Gewerkschaft relativ viel Druck entwickeln.

Am vergangenen Mittwoch nahm die GDL nun nicht wie zunächst geplant zusammen mit Transnet und GDBA an einem Spitzentreffen mit der Bahnführung teil. Während sich die beiden großen Gewerkschaften mit dem Konzern in groben Zügen auf eine Verlängerung des Beschäftigungspakts einigten, führt die GDL jetzt separate Gespräche.

Die Gewerkschaft habe der Bahn eine Stellungnahme zu den strittigen Punkten geschickt. Es sei möglich, dass bis zu einem eigenen Spitzentreffen mit der Bahn am 9. Dezember eine Einigung erzielt werde, sagte Schell. Die Verlängerung des Beschäftigungspakts sehe er nicht in Gefahr. Seit längerem habe die GDL Entgegenkommen bei der Wochenarbeitszeit und der Zahl der Urlaubstage signalisiert. Kategorisch lehne die GDL aber die Forderung der Bahn nach einer Rufbereitschaft bei Lokführern ab. Auch wie man zukünftig mit Überstunden verfährt, sei noch nicht geklärt.

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