Wirtschaft : Lokführer sagen Transnet den Kampf an

Bahn-Gewerkschaft GDL verschärft Streit im Arbeitnehmerlager wieder

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Lokomotivführergewerkschaft GDL strebt an, in Zukunft für alle Arbeitnehmer der Eisenbahnbranche zu streiten. „Wir lehnen den Alleinvertretungsanspruch der Gewerkschaft Transnet ab“, sagte der neue Vorsitzende Claus Weselsky auf der Generalversammlung am Mittwoch in Berlin. Für das Fahrpersonal, also Lokführer und Zugbegleiter, wolle man bessere Regelungen erstreiten. Diese Beschäftigten „haben einen Wert, der sich in gerechtem Lohn niederschlagen muss“, verlangte Weselsky.

In seiner ersten Rede als Gewerkschaftsführer schürte Weselsky damit den seit Jahren bestehenden Konflikt mit den beiden Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA erneut. Diese hatten im jüngsten Arbeitskampf mit der Deutschen Bahn die Tarifhoheit für das Zugpersonal bis zum Jahr 2013 erstritten. „Wir sind stark wie nie“, sagte Weselsky zur Lage der GDL nach dem Streit, der fast ein Jahr angedauert hatte. Der 49-Jährige war am Dienstag zum Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Manfred Schell gewählt worden. Er ist der erste Ostdeutsche an der Spitze einer Gewerkschaft, auch seine beiden Stellvertreter kommen aus den neuen Bundesländern.

Weselsky nannte es als Ziel, auch das Lohnniveau der Lokführer bei den Bahn-Konkurrenten anzuheben. Es dürfe nicht dazu kommen, dass die Bahn ihre Bezahlung den Wettbewerbern anpasse. „Das führt zu einem generellen Verfall des Tarifniveaus.“ Er forderte den Konzern auf, die bei der Bahn-Sparte DB Zeitarbeit eingestellten 1000 Lokführer nicht schlechter zu bezahlen, als es im Unternehmen üblich sei. „Lassen Sie ab von solchen Strategiespielchen, das führt zu nichts als zu neuen Konflikten mit der GDL“, sagte Weselsky an die Adresse von Bahn-Personalvorstand Margret Suckale.

Der GDL-Chef erneuerte zudem seine Kritik an der geplanten Teilprivatisierung der Bahn, über die an diesem Donnerstag der Deutsche Bundestag in einem Entschließungsantrag entscheiden soll. Der Verkauf von Anteilen an Private werde für „enormen Rationalisierungsdruck“ sorgen. Dies berge Gefahren für die Dichte des Streckennetzes, vor allem im Fernverkehr. Die Gewerkschaft sei nicht bereit, „den Eisenbahnern erneut Enthaltsamkeit zu verordnen“. Durch die Bahnreform seit 1994 seien bereits 280 000 Stellen weggefallen. Die Zusage des Konzerns, den tariflichen Schutz vor Entlassungen bis 2023 zu verlängern, zeige, dass „offensichtlich erneut ein Arbeitsplatzabbau“ im Zuge der Teilprivatisierung zu erwarten sei.

Bahn-Personalchefin Suckale warb dagegen für den Börsengang, bei dem 24,9 Prozent der Transportsparte verkauft werden sollen. „Wir können den Status Quo bei der Bahn nicht halten, ohne selber investieren zu können“, sagte sie. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) versicherte, die Verantwortung für die Strategie der Bahn bleibe in vollem Umfang beim Bund. Die Daseinsvorsorge werde sogar verbessert, weil durch die Privatisierung mehr Effizienz bei der Bahn einziehe. Carsten Brönstrup

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