Wirtschaft : Lokführer streiken zum zweiten Mal

Heute Ausstand zwischen 8.30 und 11.30 Uhr

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Berlin - Im Tarifstreit bei den Bahnen verschärfen die Lokführer Ton und Gangart. Der nächste Warnstreik, am heutigen Freitag von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr, dauert eine Stunde länger als der erste Ausstand vergangenen Dienstag. „Damit zeigen wir den Arbeitgebern die gelbe Karte für ihr perfides Spiel auf Zeit“, sagte Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL). Er forderte die Arbeitgeber auf, ihre Angebote „deutlich nachzubessern, um weitere Arbeitskämpfe abzuwenden“.

Den Appell verknüpfte der Gewerkschafter mit einem Hinweis auf den 7. März: Dann liegt das Ergebnis der Urabstimmung vor, mit der die GDL sich die Zustimmung ihrer Mitglieder für einen unbefristeten Arbeitskampf holt. Bis zum 7. März dürfte es noch mindestens einen mehrstündigen, aber befristeten Streik geben. Nach der Urabstimmung könnten dann die Züge auch über einen längeren Zeitraum im Depot bleiben. Der Konflikt würde womöglich ähnlich eskalieren wie beim ersten GDL-Streik 2007/08.

Nachdem die Gewerkschaft am frühen Dienstagmorgen alle Bahnen bestreikt hatte – vor allem den Personennah- und -fernverkehr bei der Deutschen Bahn (DB) und ihren sechs größten Wettbewerbern –, gibt es an diesem Freitag eine Ausnahme. „Die Berliner S-Bahn kann ohnehin nur eingeschränkt fahren. Da wir angetreten sind, verantwortungsvoll mit unserer Streikmacht umzugehen, werden wir sie von den morgigen Arbeitskämpfen ausnehmen“, kündigte Weselsky am Donnerstag an. Wie beim letzten Mal informierte die Gewerkschaft erst am Abend über den bevorstehenden Streik. Damit wird den Arbeitgebern die Möglichkeit genommen, mit Ersatzpersonal die Ausfälle zu begrenzen.

In Berlin und Brandenburg sollte zwar die S-Bahn fahren, die Regionalbahnen wurden indes voll in den Streik einbezogen. Klaus Peter Schölzke, Vizechef der GDL für deren Bezirk Berlin, Brandenburg und Sachsen, begründete das unter anderem mit der besonderen Problematik im Regionalverkehr: Die GDL will im Tarifvertrag festschreiben, dass bei einem Betreiberwechsel die Lokführer ihr Einkommen behalten. „Das ist eine Kernforderung von uns“, sagte Schölzke am Abend auf Anfrage. Bislang läuft das der GDL zufolge so: Die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) habe beispielsweise die Ausschreibung von Strecken in Berlin und Brandenburg gewonnen. Wenn nun Lokführer der bundeseigenen DB, die früher die Strecken befuhr, zur privaten ODEG wechselten, bekamen sie bis zu 30 Prozent weniger Lohn und mussten dazu auch noch zwei Stunden länger arbeiten.

Alles in allem will die GDL mehr Geld, einen Flächentarifvertrag für alle Lokführer, egal ob bei der Bahn oder Privaten beschäftigt, und Sonderregeln für den Fall der Berufsunfähigkeit. Alfons Frese

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