Wirtschaft : Lombardkasse drängt in neue Geschäftsfelder

BERLIN (olm/dpa).Die sich seit 1995 abzeichnenden starken Veränderungen im Wertpapierhandel hat die bereits 1877 als Berliner Makler-Verein gegründete Lombardkasse AG (LOK) - der juristische Sitz ist nach wie vor Berlin - zum Anlaß genommen, sich strategisch neu auszurichten.Entsprechend der ursprünglichen Idee war das Institut über viele Jahrzehnte mit Börsenaktivitäten, Kreditierung, Wertpapierleihgeschäften und der gesamten Abwicklung eine reine Hausbank der Börsenmakler.Das bisher in Europa einmalige Institut fühlt sich zwar weiterhin dem Dienstleistungsgedanken verbunden.Dennoch wolle man der Entwicklung, die sich durch neue gesetzlicher Rahmenbedingungen, veränderte Technologien sowie der zunehmenden Internationalisierung des Börsengeschehens ergebe, Rechnung tragen, hieß es.Die bisher rein maklerorientierte Verpflichtung, so Vorstandschef Klaus P.Caspritz am Freitag in Berlin, werde nun erweitert und in Form zusätzlicher Produkte auf den gesamten intermediären Sektor von Maklern und Wertpapierhandelshäusern ausgerichtet.Banken könnten heute nicht mehr alles machen, sagte Caspritz.Der starke Wettbewerb zwinge dazu, die Kosten zu senken.Viele überlegten daher, einen Teil der Wertpapierabwicklung - derzeit würden in Deutschland mehr als 2,2 Mrd.DM jährlich für Wertpapierservices aufgewandt - abzugeben.Hier trete die Lombardkasse als Koordinator auf, stelle Standards auf und überwache vereinbarte Regeln.

Auch die gestiegenen Anforderungen bei der Abwicklung von Börsengeschäften, insbesondere nach der 6.KWG-Novelle, erforderten zusätzliche Dienstleistungen.Diese gingen über die Finanzierung von Positionen und die Abwicklung von Wertpapiergeschäften hinaus.So helfe die Lombardkasse ihren Kunden, die Eigenkapitalanforderungen "optimal" zu erfüllen.Darüberhinaus wolle man ausländische Makler als Kunden gewinnen, Gespräche würden geführt.

Die Geschäftsentwicklung der Lombardkasse verlief 1997 sehr stürmisch.Die Effektenumsätze der Makler über das Institut stiegen um 66 Prozent auf 132 Mrd.DM.Auch in den Abrechnungsmengen wurde ein Rekordstand erreicht.Mit 764 000 Stück lagen sie um 72 Prozent über dem Vorjahresergebnis.Die Bilanzsumme stieg um 151 Prozent auf 674 Mill.DM.Das Rohergebnis verbesserte sich um 11,2 auf 43,7 Mill.DM.Ausschlaggebend dafür waren die 1997 stark angestiegenen Zins- und Provisionsüberschüsse.Auch 1998 hielt dieser Trend sowohl bei den Transaktionen wie auch im Ergebnis an.Größter Anteilseigner ist neben 39 weiteren Instituten die Deutsche Bank mit 18 Prozent.

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