Wirtschaft : Lopez soll Spionage sehr früh geplant haben

Staatsanwälte sprechen von "Tatplan" Darmstadt (ro/dpa).Schon lange vor seinem Wechsel zu VW hat der Automanager Jose Lopez nach Erkenntnissen der Justiz Industriespionage zu Lasten seines früheren Arbeitgebers General Motors/Opel geplant und systematisch betrieben.Die Darmstädter Staatsanwaltschaft kam nach mehr als dreijähriger Ermittlungsarbeit zu dem Schluß, daß Lopez seinen "Tatplan" bereits Monate vor seinem Wechsel im März 1993 gefaßt hat.Dies geht aus der am Freitag präsentierten Anklage gegen Lopez und drei seiner Mitarbeiter hervor.Eine mögliche Beteiligung von VW-Vorstandsmitgliedern am Geheimnisverrat hat sich nach den Ermittlungen nicht ergeben.Lopez sowie seine früheren Kollegen Gutierrez, Alvarez und Piazza sollen sich daher wegen Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen sowie Unterschlagung vor Gericht verantworten.López selbst war Ende November als VW-Vorstand zurückgetreten.Nach Ansicht der Staatsanwälte ist bei Opel und GM "kein meßbarer Schaden" entstanden.Deswegen wird Lopez nicht wegen Untreue angeklagt. "Der Gedanke, daß VW in den Vorgang involviert ist, ist nicht furchtbar weit.Der Verdacht war bei uns immer im Kopf", meinte der leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Andres am Freitag in Darmstadt.Zu mehr aber gaben die Ermittlungen keinen Anlaß.Unterlagen von GM hätten sich auch nicht in der "Verfügungsgewalt von VW" befunden, sie seien in der Wohnung und im Büro von Lopez beschlagnahmt worden.Trotzdem hat es die Anklage in sich.Am Ende könnte eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren stehen.Der Klageschrift zufolge hat Lopez bereits nach seinem ersten Gespräch mit VW-Chef Ferdinand Piech am 29.November 1992 einen "Tatplan" gefaßt.Unmittelbar darauf sollen sich die Angeklagten Geschäftsunterlagen aus den Bereichen Forschung, Planung, Fertigung und Einkauf von GM und Opel verschafft haben, "um sie für ihre Arbeit bei VW auszuwerten und anschließend, zumindest teilweise, zu vernichten".Dazu zählten detaillierte Papiere für den Bau einer Autofabrik im Baskenland ("Plant X"), eine Liste mit Einkaufsdaten für die europäische Fertigung bei Opel, mehrere Listen mit Preisen für Werkzeuge und Anlagen, Listen mit Kostendaten für Opel-Modelle.Unmittelbar nach dem Wechsel zu VW sollen Lopez und Co.die Unterlagen für neue Präsentationen für VW verwendet haben. Die Ermittlungen, die auf einer Strafanzeige von Opel basieren, haben sich über mehr als drei Jahre hingezogen, 196 Zeugen wurden vernommen, darunter auch Vorstandsmitglieder von VW.23.000 Blatt umfassen die Ermittlungsakten.Die Auswertung der bei VW sichergestellten Disketten dauerte mehr als ein Jahr.Ausgedruckt hätten sie einen Umfang von 2,5 Mill.Seiten.Über die Annahme der Anklage durch das Landgericht wird frühestens im Februar entschieden.Bis dahin können die Anwälte der Beschuldigten die Anklage analysieren und Stellung nehmen.Der Beginn eines Prozesses ist völlig offen.Nach Ansicht von Opel spricht die Anklage für sich.Die Vorwürfe der Industriespionage würden bestätigt, VW werde nicht entlastet.

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