Wirtschaft : Lotto-Stiftung spendiert 900.000 Mark - Wie zukunftsfähig ist Berlin?

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Die Berliner Lottospieler sollen nun dafür sorgen, dass endlich Schwung in die "Lokale Agenda 21" kommt. Was viele der weltweit insgesamt über 500 beteiligten Städte - darunter München, Hamburg und Heidelberg - bisher wesentlich couragierter auf den Weg brachten, um das 1992 auf dem Klima-Gipfel in Rio vereinbarte Programm zur Rettung der Umwelt zu realisieren, hatte in Berlin bisher eher theoretischen Charakter. Um hier durch praktische Beispiele endlich auch konkrete Ergebnisse präsentieren zu können, hat das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) die Projektagentur "Zukunftsfähiges Berlin" aufgebaut.

IZT-Geschäftsführer Rolf Kreibich sagte am Dienstag, die aus Mitteln der Lotto-Stiftung für die nächsten drei Jahre zur Verfügung gestellten 900 000 Mark könnten aber nur ein Anfang sein. Kreibich hofft, dass Firmen wie DaimlerChrysler, die zusammen mit dem Wirtschaftssenator und neun weiteren Institutionen der Stadt den Lenkungsbeirat für die Projektgestaltung stellen, die einzelnen Vorhaben künftig auch finanziell unterstützen. Das allein aber wird kaum reichen, die ehrgeizigen Pläne umzusetzen. Da die Summen für die einzelnen Projekte, die in der Regel nicht mehr als 40 000 Mark betragen, nur eine Anschubfinanzierung darstellen, setzt Kreibich auf die Mithilfe von Sponsoren in Berlin und Brandenburg.

Den Schwerpunkt wollen die Initiatoren der Agenda-Initiative nach Auskunft von IZT-Mitarbeiter Edgar Göll langfristig auf den Bereich der Wirtschaft legen. So ist es denn sicher auch kein Zufall, dass die im Verbund mit der IHK von der Kreislauf- und Verwertungsagentur (KVA) begonnene Arbeit "Unternehmensnetzwerk für nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltige Unternehmensentwicklung" als erstes der am Dienstag vorgestellten Projekte genannt wird. Ökonomische wie auch verkehrstechnische Felder sind nach Meinung der Projektmanager besonders geeignet, um die Zukunftsfähigkeit Berlins unter Beweis zu stellen. Rolf Kreibich: "Die Lokale Agenda 21 darf nicht zur Spielwiese werden". So verweist die KVA in ihrem Projektansatz für die geplanten Netzwerke auf das Fehlen ressourcen- und kostensparender Modelle, damit sich insbesondere kleine und mittlere Betriebe in der Region besser am Markt durchsetzen können. Schätzungen gehen davon aus, dass von den heute eingesetzten Ressourcen mittelfristig nur noch ein Viertel zur Verfügung stehen werden. Doch die dafür notwendige Nachhaltigkeit in der Anwendung moderner Produktionsprozesse darf laut Kreibich den Unternehmen nicht übergestülpt werden. Die Erkenntnisse über den sparsameren Umgang mit den Ressourcen müssten sich aus den Prozessen heraus entwickeln.

Weitere am Dienstag vorgestellte Projekte sind ein Agenda-Netz für Berliner Schulen, eine "Zukunftswerkstatt", in der Bürger neue Lebenswelten entwerfen, eine Initiative unter dem Leitbegriff "nachhaltiger Konsum und fairer Handel" sowie eine "Projektbörse" zum Thema Nachhaltigkeit. Hier bemühen sich bereits seit drei Jahren mehr als 40 Organisationen in Berlin und Brandenburg, um die Diskussion in Form eines Runden Tischs anzustoßen. Die Börse soll nun helfen, Leitprojekte zu entwickeln, die dem Thema gerecht werden. Mit über 50 000 Mark hat sich die Investitionsbank Berlin (IBB) bisher an der Arbeit des Runden Tischs beteiligt. Die Antragsteller müssen bestimmte Auflagen erfüllen. Kreibich:"Die Projekte müssen innovativ sein und einen Bedarf nachweisen".

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