LTU/Air Berlin : Pilotenstreik in der Reisezeit

LTU-Crews fordern nach der Übernahme durch Air Berlin mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen treten in den Ausstand.

Rainer W. During
293539_0_f329df49.jpg dpa
Siegesgewiss. Zehn Stunden streikten die Piloten der LTU am Dienstag. An den Flughäfen blieb das Chaos jedoch aus. Foto:...dpa

Berlin - Inmitten der Hauptreisezeit sind Piloten des Ferienfliegers LTU am Dienstag in einen mehrstündigen Streik getreten. Der bundesweite Ausstand bei der Tochter der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin begann um 11.30 Uhr und war bis 21.30 Uhr begrenzt, wie die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) in Frankfurt mitteilte. Betroffen waren Düsseldorf, München, Berlin-Tegel und Frankfurt. Air Berlin bezeichnete den Streik als rechtswidrig.

Der zehnstündige Ausstand eines Teils der Besatzungen hatte allerdings nur begrenzte Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Nach Darstellung von Air Berlin waren die Verhandlungen über den von der VC Ende 2008 gekündigten Vergütungstarifvertrag nicht für gescheitert erklärt worden, so dass es keine Rechtsgrundlage für Arbeitskampfmaßnahmen gab.

Air Berlin hatte die 1955 gegründete Düsseldorfer LTU nach mehreren Besitzerwechseln 2007 übernommen. Inzwischen wurde sie vollständig integriert. Mit einer Flotte von Airbus-A330-Jets bildet LTU die Langstreckenkomponente der Gruppe und bedient außerdem mit einigen kleineren A320/321 einen geringen Teil der Kurz- und Mittelstrecken.

Wegen des Streiks waren am Dienstag rund 20 innerdeutsche und europäische Flüge um bis zu zwei Stunden verspätet. Vier Flüge zwischen Düsseldorf und Dresden beziehungsweise München wurden gestrichen. In Berlin-Tegel verzögerten sich nur zwei Abflüge nach Düsseldorf und Köln/Bonn. Betroffen waren auch drei Langstreckenflüge von Düsseldorf nach New York, Fort Myers (Florida) und Punta Cana (Dominikanische Republik).Die Flüge wurden auf heute verschoben, die Passagiere in Hotels untergebracht. Wie aus Pilotenkreisen verlautet, sind viele der LTU-Crews nicht in der VC organisiert, weil sie sich nach der Übernahme durch Air Berlin von der Gewerkschaft nicht richtig vertreten fühlten.

Laut Cockpit hatten 98,7 Prozent der Mitglieder bei der LTU im März Arbeitskampfmaßnahmen zugestimmt, nachdem die mehr als einjährigen Tarifverhandlungen im Februar gescheitert waren. VC hatte eine Neuregelung von Vergütungsbestandteilen sowie die Sicherung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen aller Piloten der Air-Berlin-Gruppe gefordert. Ende Juli seien die Bemühungen erneut gescheitert.

Eine Air-Berlin-Sprecherin wies diese Darstellung zurück. Man habe am Montag noch verhandelt und am Dienstag einen neuen Termin vereinbaren wollen. Air Berlin biete den LTU-Piloten bei einer Laufzeit bis Ende 2010 eine zweiprozentige Erhöhung des Grundgehaltes plus Inflationsausgleich und Verzicht auf betriebliche Kündigungen an. Die Forderungen der Gewerkschaft würden sich dagegen auf eine Gehaltserhöhung von mehr als elf Prozent summieren. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hat gedroht, sich von LTU zu trennen, falls die Gewerkschaften auf ihren Forderungen beharren.

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