Wirtschaft : Lucent und Alcatel: Der US-Netzwerkausrüster wollte nicht der Juniorpartner sein

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Der US-Netzwerkausrüster Lucent Technologies hat am späten Dienstagabend die Fusionsverhandlungen mit der französischen Alcatel SA abgebrochen. Der Grund: Alcatel wollte 58 Prozent und damit die Mehrheit am neuen Unternehmen, Lucent aber nicht Juniorpartner sein. Zuvor hatten die Verhandlungspartner "bedeutende Fortschritte" gemeldet. Lucent aber drängte laut Wall Street Journal auf eine starke Repräsentanz in Verwaltungsrat und Vorstand des neuen Unternehmens. Damit stieß Lucent bei Alcatel auf Widerstand.

Der Zusammenschluss hätte einen Koloss in der Branche für Telekom-Ausrüstungen mit 230 000 Beschäftigten entstehen lassen. Analysten sagten, die Kombination hätte wegen der Uneinigkeit über die Struktur nur Kopfschmerzen verursacht. In Folge der Fusion wären in den USA 22 000 bis 30 000 Jobs weggefallen.

Alcatel-Chef Serge Tchuruk zieht es seit langem in die USA. Seit 1999 kaufte er sieben US- und kanadische Hightech-Firmen. Es gelang ihm sogar, die anfänglich skeptischen Analysten von der Alcatel-Lucent-Fusion zu überzeugen. Seit 1995 steht Tchuruk an der Spitze von Alcatel Alsthom. Wegen einer Krise entließ Tchuruk bis Ende 2000 weltweit 25 000 Beschäftigte. 60 Tochterfirmen in Europa fielen seiner Restrukturierung zum Opfer. Hätte die Fusion mit Lucent geklappt, wäre Alcatel zum Weltmarktführer der Netzausrüster aufgestiegen. Mit der Hightech-Schmiede hätte Alcatel auch die berühmten Bell Labs übernommen. Diese für das Militär wichtigen Labors wollten US-Politiker aber nur ungern in ausländische Hände geben. Robert Torricelli etwa, demokratischer Senator von New Jersey, wandte sich dagegen. Auch das Pentagon soll sich um die von Lucent entwickelte Verschlüsselungstechnik gesorgt haben. Opportun war auch in Frankreich eine Fusion nicht. Die Regierung hatte Alcatel zur Speerspitze ihrer Verteidigungselektronik machen wollen.

Das in Schwierigkeiten geratene US-Unternehmen Lucent hätte vom Zusammenschluss am meisten profitiert. Lucent hatte sich auf einen Wachstumspfad nach dem Muster von Internetunternehmen begeben vielen Startup-Firmen hatte Lucent mit Krediten geholfen. Ende 2000 wurde es brenzlig - in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres erlitt die Firma vier Milliarden Dollar Verlust. Der Umsatz im zweiten Quartal musste um 679 Millionen Dollar nach unten berichtigt werden. Zusätzlich rutschte Lucent wegen des schwachen Telekom-Sektors immer tiefer in die roten Zahlen. Zur Konsolidierung wurden 10 000 Mitarbeiter entlassen. Eine im Februar ausgehandelte Kreditlinie in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar wirkte wie ein Aufputschmittel: Für das zweite Quartal gab Lucent 5,9 Milliarden Dollar Umsatz bekannt, ein Plus von 36 Prozent.

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