Wirtschaft : Ludewig und Nawrocki bei der Bahn offenbar auf dem Abstellgleis

BERLIN (alf).Allen Dementis zum Trotz - die Tage von Johannes Ludewig als Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG sind offenkundig gezählt.Wie der Tagesspiegel am Montag aus Kreisen der künftigen rot-grünen Bundesregierung erfuhr, versuche Ludewig gegenwärtig "seinem Rausschmiß zuvorzukommen".Es gehe nur noch um die Höhe der Abfindung.Das hatte bereits am Wochenende der "Spiegel" berichtet, was jedoch vom früheren Bahn-Chef und jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden Heinz Dürr zurückgewiesen worden war.Wie es nun am Montag in Bonn hieß, wolle Dürr verhindern, "daß es sich Ludewig zu einfach macht".Dürr befürchte demnach, Ludewig können den Regierungswechsel zum Anlaß nehmen und mit dem Hinweis auf sein CDU-Ticket den Rückzug antreten.Dagegen wolle Dürr seinem Nachfolger, der von Bundeskanzler Kohl ins Amt gehievt worden war, Versagen nachweisen.Wie Albert Schmidt, bahnpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen auf Anfrage sagte, werde es an der Spitze der Bahn "einen Schnitt geben".Neben Ludewig werde auch der für den Fernverkehr zuständige Vorstand der Bahn, Axel Nawrocki, seinen Posten verlieren.In SPD-Kreisen hieß es, Nawrocki habe bei der Bahn "total verschissen", da er kurz nach seiner Einstellung im Mai die "ganze Belegschaft runtergemacht" habe.

Ludewig war nicht zuletzt wegen seiner Personalpolitik ins Gerede geraten.In SPD-Kreisen wirft man ihm eine "old-boys-network-Politik" vor: Der frühere Berliner Olympia-Werber Nawrocki sei ein Studienkollege Ludewigs, den neuen Brüsseler Bahn-Repräsentanten Werner Münch kenne Ludewig aus gemeinsamen Tagen in der Studentenorganisation der Union, dem RCDS.Münch hatte sein Amt als Ministerpräsident Sachsen-Anhalts wegen Unregelmäßigkeiten bei seinen Bezügen Ende 1993 aufgeben müssen.

Neben der Personalpolitik wird Ludewig in den künftigen Koalitionskreisen unternehmerisches Versagen vorgeworfen."An die Spitze der Bahn gehören Unternehmerpersönlichkeiten und keine Beamte", meinte ein Sozialdemokrat am Montag.Ludewig habe die Eigenständigkeit der Bahn gegenüber der Bundesregierung nicht behaupten können und sich "zwei Klötze ans Bein hängen lassen".Zum einen den Transrapid mit einem "riesigen Risiko" für die Bahn als Betreiber.Zum anderen habe er das "wahnsinnige" ICE-Projekt zwischen Nürnberg und Erfurt nicht gestoppt.Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke für acht Mrd.DM, die am Bedarf vorbei gehe und für die 40 Kilometer Tunnel durch den Thüringer Wald gebaut werden müßten."Die längste U-Bahn Deutschlands", so der Grünen-Sprecher Schmidt.

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