Ludwigsfelde betroffen : Thyssen-Krupp verkauft Metall-Tochter an Spanier

Der Verkauf der Metallverarbeitung von Thyssen-Krupp an einen spanischen Autozulieferer weckt Befürchtungen bei Arbeitnehmervertretern auch am Standort Ludwigsfelde. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.

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Nach rund einjährigen Bemühungen hat Thyssen-Krupp seine Sparte für Metallverarbeitung (Metal Forming) an den spanischen Autozulieferer Gestamp Automación verkauft. Thyssen- Krupp Metal Forming produziert mit rund 5700 Mitarbeitern Fahrwerk- und Karosserieteile in sechs Ländern. In Deutschland gibt es Werke in Bielefeld (1400 Beschäftigte) und im brandenburgischen Ludwigsfelde (330 Mitarbeiter).

Wenn nicht wieder eine Krise kommt, wird sich für die Belegschaften auf Sicht nichts ändern, denn nach Angaben der IG Metall haben die Spanier eine Standortgarantie für drei Jahre gegeben und sich ferner verpflichtet, in den kommenden fünf Jahren Tarif zu zahlen. Auf einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen wollten sie sich aber nicht einlassen.

„Es gibt jetzt keine konkreten Befürchtungen“, sagte der Ludwigsfelder IG-Metall-Chef Hermann von Schuckmann auf Anfrage. Vor einem knappen Jahr war das noch anders, denn damals galt ein chinesischer Konzern als Favorit für die Metallverarbeitung. Doch nicht zuletzt die Intervention von wichtigen Thyssen- Krupp-Kunden aus der Autoindustrie verhinderte einen Verkauf an die Chinesen. „Wir haben gemerkt, dass es eine Zurückhaltung bei neuen Aufträgen seitens der Autohersteller gab“, sagte Schuckmann. „Das Absaugen des Know-hows durch die Chinesen wäre gefährlich gewesen.“

Also kamen die Spanier zum Zuge. Gestamp erwirtschaftete zuletzt mit 18 000 Mitarbeitern in 20 Ländern einen Umsatz von gut drei Milliarden Euro und kann nun mit der neuen Tochter, die einen mittelgroßen dreistelligen Millionenbetrag gekostet haben soll, seine Stellung bei Karosserieteilen ausbauen.

In Deutschland hat Gestamp bislang Standorte in Hessen und Thüringen. Thyssen-Krupp scheute nach eigenen Angaben die anstehenden Investitionen im Metal Forming und entschloss sich deshalb für den Verkauf. Für die IG Metall ein Offenbarungseid: „Es ist strategischer Unfug, wenn ein Stahlhersteller auf die Veredelungsstufe verzichtet.“

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