Wirtschaft : Luft- und Raumfahrt sieht sich im Stich gelassen

BONN (bib).Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie sieht nach zwei außerordentlich guten Jahren ihre Marktposition durch die Kürzung von Bundesmitteln gefährdet.Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) warf der rot-grünen Regierung am Donnerstag in Bonn vor, die Streichung von Mitteln für die Raumfahrt und eine geplante Umstrukturierung der Luftfahrtforschung gefährde Arbeitsplätze in zukunftsträchtigen Hochtechnologie-Bereichen.Es bestehe die Gefahr, daß die Branche international Marktchancen verliere und im globalen wie im europäischen Wettbewerb "schlicht abgehängt" werde, sagte BDLI-Geschäftsführer Hans Eberhard Birke.Davon wären auch viele mittelständische Zulieferer betroffen.

Nach seinen Angaben haben die 106 Mitgliedsunternehmen mit ihren rund 55 000 Beschäftigten 1997 einen Jahresumsatz von rund 20 Mrd.DM erwirtschaftet, das entspricht einem Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent.Das gute Ergebnis verdankt sich der Zivilluftfahrt und in geringerem Maße auch der Raumfahrt, während der Militärbereich eine Umsatzeinbuße verzeichnete.Als Ursachen der positiven Entwicklung nannte Birke das stark wachsende Luftverkehrsaufkommen, den günstigen Wechselkurs der D-Mark zum Dollar und die "sehr gute Modellpolitik" von Airbus.Für 1998 deuteten die vorläufigen Zahlen erneut auf ein Umsatzplus hin, die bei etwa 15 Prozent liegen dürfte.Im laufenden Jahr erwarte der Verband eine Konsolidierung.

Gefährdet sieht der Interessenverband diese Entwicklung durch zwei Beschlüsse der neuen Bundesregierung.Zum einen wurde der Raumfahrt-Etat 1999 um 50 Mill.DM gekürzt.Im Zeitraum bis 2002 müsse mit weiteren Kürzungen gerechnet werden, sagte Birke.Angesichts der anstehenden Entscheidungen zur Nutzung der internationalen Raumstation, der Satellitennavigation und der Weiterentwicklung der Euro-Rakete Ariane 5 sei es falsch, sich auch kommerziell vielversprechende Möglichkeiten zu verbauen."Wir drohen hier zum Bremser einer dynamischen europäischen Raumfahrtpolitik zu werden", sagte Birke.Andere Staaten wie Frankreich oder Italien hielten ihre Mittel gleich oder stockten sogar auf.

Kritik übte der Verband zum anderen an der Absicht der Bundesregierung, die Bedingungen für eine Neuauflage des Luftfahrtforschungsprogramms zu verändern.Das vierjährige Programm solle zwar wie sein im letzten Jahr ausgelaufener Vorgänger wieder 1,2 Mrd.DM umfassen.Die Regierung wolle aber den Industrieanteil von 50 auf 60 Prozent erhöhen und zudem den Staatsanteil hälftig zwischen Bund und Ländern teilen.Die Branche sehe aber nicht, daß die Länder einer Beteiligung zustimmen würden, zumal ähnliche Versuche des Bundes schon früher gescheitert seien."1999 droht ein Fadenriß", sagte Birke.

Der Geschäftsführer gab zugleich bekannt, daß der Verband Gustav Humbert zum neuen Präsidenten und Nachfolger von Wolfgang Pillr, gewählt hat.Humbert ist Vorsitzender der Geschäftsführung der DaimlerChrysler Aerospace Airbus GmbH in Hamburg und Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler Aerospace AG in München.

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