Wirtschaft : Luft- und Raumfahrtausstellung: Immer mehr Satelliten bleiben am Boden

Thomas Magenheim

Die ILA in Berlin steht dieses Jahr für den Platzhirschen EADS und die gesamte Branche unter keinem guten Stern. Seit Monaten spürt der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern die Folgen der Terroranschläge in den USA. Besonders betroffen ist der Bereich Passagierflugzeuge mit seiner Tochter Airbus. Außerdem steht es schlecht um die kommerzielle Raumfahrt. Weil Telekomkonzerne rund um den Globus auf hohen Schulden sitzen, werden kaum Telekommunikationssatelliten mehr in den Erdorbit geschossen. Anders als bei den früheren Ausstellungen in Berlin rechnet in der Branche deshalb keiner mit spektakulären Großaufträgen oder neuen Großprojekten.

Einziger Hoffnungsschimmer ist derzeit das Geschäft mit Rüstungsgütern, das von der globalen Terrorgefahr profitiert. Bis 2004 sollen die EADS-Rüstungsumsätze um die Hälfte auf neun Milliarden Euro wachsen, haben der deutsche Konzernchef Rainer Hertrich und sein französischer Kollege Philippe Camus angekündigt. 2001 konnte EADS bei einem Umatz von 30,8 Milliarden Euro nur drei Milliarden Euro mit militärischen Gütern umsetzen. Dennoch ist EADS mit den Perspektiven nicht zufrieden. Denn US-Rüstungsfirmen schöpfen ein Fünftel aller europäischen Beschaffungsaufträge ab, während Europa nur ein Prozent des US-Rüstungsbedarfs liefert. Dazu kommt, dass in den USA jährlich 110 Milliarden Euro für Militärgüter ausgegeben werden, in Europa aber nur 40 Milliarden Euro. Auch im Rest der Welt mit rund 50 Milliarden Euro Rüstungsausgaben dominieren politisch bedingt die US-Konzerne.

Für 2002 rechnet EADS aber nur mit zwei Prozent Umsatzrückgang. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen soll von 1,7 auf 1,2 Milliarden Euro sinken, was maßgeblich auf die Entwicklungskosten für den Riesenairbus A 380 zurückgeht, mit dem die Europäer das langjährige Monopol ihres US-Rivalen Boeing im zivilen Topsegment mit dem Jumbo 747 brechen wollen. 85 Festbestellungen für den Riesenvogel, der 2004 seinen Erstflug haben und 555 Passagiere aufnehmen soll, hat die EADS bislang verbucht. Zugleich sinken die Airbus-Auslieferungen 2002 voraussichtlich von 325 auf rund 300 Stück, was ebenfalls Profit kostet. Denn Airbus-Jets steuerten zuletzt nicht nur zwei Drittel aller Umsätze, sondern praktisch den gesamten EADS-Gewinn bei. Im Gegensatz zu Boeing will EADS mit 103 000 Mitarbeitern in Europa ohne großen Stellenabbau über die Runden kommen. Nach Kurzarbeit droht nun aber doch der Verlust von Jobs. Die Raumfahrttochter Astrium, an der auch British Aerospace beteiligt ist, wird umgebaut. Schon 2001 lag diese Sparte, die Satelliten und die Europarakete Ariane fertigt, trotz 60 Prozent Marktanteil bei kommerziellen Raketenstarts im Minus.

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