Wirtschaft : Luft- und Raumfahrtausstellung: Sie schauen, aber sie kaufen nicht

Martina Ohm

Im Terminkalender ist Schönefeld dick unterstrichen. Ein halbes Dutzend Minister aus dem Schröder-Kabinett hat sich zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) im Süden Berlins angesagt. Selbst der Kanzler lässt sich die Eröffnung im Wahljahr nicht entgehen. Und: 1000 Aussteller aus 40 Ländern zählen die Veranstalter. Ein überraschender Rekord. Zwar tritt Boeing, größter US-Flugzeugbauer, erneut nicht an. Doch außer dem insolventen Flugzeugbauer Fairchild Dornier aus Oberpfaffenhofen sind keine spektakulären Absagen zu vermelden - acht Monate nach den Terroranschlägen in den USA.

Von Berlin sollen Signale ausgehen, wünschen sich die Gastgeber. Über Sparpakete, Jobabbau und Flottenstilllegungen wurde ausgiebig berichtet. Das neue, alte Motto lautet: Die Luft- und Raumfahrtindustrie bleibt eine Wachstumsbranche. Fünf Prozent Wachstum pro Jahr im Passagierverkehr, sieben Prozent Wachstum jährlich bei der Fracht. Von der erwarteten Dynamik in der Wehrtechnik ganz zu schweigen.

Auf Augenhöhe mit den Branchen-Treffs in Le Bourget oder Farnborough ist die Flugschau in Berlin aber noch lange nicht. Die Veranstalter, die Messe Berlin und der Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), vermarkten Schönefeld zwar als Ost-West-Drehscheibe, bieten zahlreiche Konferenzen, rund um Sicherheit, Rettungsflüge oder Airports an und setzen gezielt auf das Thema Raumfahrt. Doch Abschlüsse im großen Stil finden eher woanders statt.

In den Augen der Konkurrenten ist Schönefeld eine Regionalmesse. Das mag erklären, warum Boeing in Berlin fehlt, die Airline-Kundschaft sich zurückhält und selbst Airbus nur unter dem Dach der Muttergesellschaft EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) auftritt. Dazu kommt die dichte Agenda. Wozu in Berlin Flagge zeigen, wenn drei Wochen nach der ILA in Genf eine Messe für Geschäftsreisejets und Ende Juli die Schau in Farnborough stattfindet? "Zwei große Veranstaltungen im Abstand von wenigen Wochen machen wirtschaftlich keinen Sinn", sagt Heiner Wilkens, Europa-Chef von Boeing.

Viele Unternehmer aus der Region, berichtet Andreas Kaden von Lufthansa Bombardier Aviation Services und zugleich Chef der Berlin-Brandenburg Aerospace Alliance (BBAA), fragten sich, ob der Ertrag noch den Aufwand rechtfertige. "Die Messe dauert zu lang und bringt zu wenig."

"Für uns", sagt Paul Sonnschein vom deutschen Zulieferer Diehl VA Systeme aus Überlingen, "wäre es das Beste, die drei führenden Veranstaltungen in Europa würden sich im Dreijahres-Turnus abwechseln. Le Bourget in Frankreich im ersten, Farnborough in Großbritannien im zweiten und die ILA in Deutschland im dritten Jahr". Bisher findet Le Bourget in ungeraden Jahren, die ILA, dicht gefolgt von Farnborough, in den geraden Jahren statt. Die Idee, nicht eben neu, scheitert bislang an den Veranstaltern. Freiwillig verzichtet keiner auf Geschäft.

Das gilt auch für Berlin. Obwohl die "Haus- und Hofmesse" der deutschen Luft- und Raumfahrt nicht sehr rentabel ist. Zum Budget von 11,5 Millionen Euro steuern Berlin und Brandenburg drei Millionen Euro bei. 60 Prozent davon zahlt Brandenburg, 40 Prozent Berlin. Den Rest muss die Messe durch Vermietung von Flächen, Ständen und den Verkauf von Eintrittskarten bestreiten. Oder aus der eigenen Tasche bezahlen.

"Das wirtschaftliche Risiko", sagt Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin, "tragen wir allein". Dabei sind die Gewinne gedeckelt. So sehen es die Verträge vor. Das Problem: auf unvorhergesehenen Verlusten bleibt die Messe sitzen. Unplanmäßige Überschüsse hingegen fließen an die Geldgeber aus Berlin und Brandenburg anteilsmäßig zurück. Vor zwei Jahren beispielsweise rund 50 000 Euro.

Dieses Mal ist es vermutlich anders. Allein für die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen, für Technik und verstärkte Polizeipräsenz ist etliches mehr zu veranschlagen. Eine Summe, für die die Messe alleine gerade stehen muss. Der Frust: Richtig verdienen kann die Messe an der ILA nicht. Selbst wenn sie optimal kalkuliert.

Daran würde sich auch nichts ändern, könnte die Berliner Messeleitung mit Erfolg um neue Zuschüsse aus den Fördertöpfen der Bundesregierung werben. "Jede Messe ist auch immer eine Referenz an den Kunden", argumentiert Göke - in diesem Fall an die Bundesregierung. Entsprechende Rückendeckung wird erwartet - nicht nur durch Präsenz von Kanzler und Ministern. Was immer die Messeleitung erreicht - früher oder später muss ein neuer Vertrag her und das wirtschaftliche Risiko auf mehrere Schultern verteilt werden - zu Gunsten der Messe. Wenn sich die Mühe lohnt, kann auch der Standort nur gewinnen.

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