Luftfahrt : A400M-Probleme lassen EADS-Aktie einbrechen

Angesichts der erneuten Verzögerung beim Militärtransporter A400M erwarten die Finanzmärkte hohe zusätzliche Belastungen für die Airbus-Mutter EADS. Die Aktie des Unternehmens fiel in Paris gegen den Markttrend um 5,31 Prozent auf 15,52 Euro.

Paris/MünchenDas in Spanien montierte Flugzeug wird nach Angaben von Konzernchef Louis Gallois wegen Problemen mit dem Triebwerk mit mehrmonatiger Verspätung frühestens im Dezember erstmals abheben. "Das hat nicht automatisch Auswirkungen auf die Erstauslieferung", sagte ein EADS-Sprecher in Paris. Über weitere Rückstellungen habe man bisher nicht gesprochen. EADS hatte 2007 bereits 1,4 Milliarden Euro für Mehrkosten der A400M-Entwicklung zurückgestellt. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) befürchten nun zusätzliche Mehrkosten von 400 Millionen Euro.

Die Pariser Wirtschaftszeitung "Les Echos" nannte eine Spanne von Analystenschätzungen zwischen 200 und 700 Millionen Euro. Das Hauptproblem beim Triebwerk sei die Software FADEC (Full Authority Digital Engine Control) von MTU. Das bayerische Unternehmen hat den Motor gemeinsam mit SNECMA, Rolls-Royce und ITP im Konsortium EPI entwickelt. Das Triebwerk wird derzeit an einer alten US-Maschine des Typs Hercules C130 in Großbritannien am Boden getestet. Später soll die Maschine dann auch zu Testflügen abheben.

Testflüge sind notwendig

"Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Partnern mit Hochdruck an der Weiterentwicklung der Software", sagte ein MTU-Sprecher am Freitag auf Anfrage. Die Software stehe aber immer am Endpunkt der Entwicklungskette, nicht am Anfang. Nähere Angaben machte er nicht. Für die Weiterentwicklung der komplexen Software würden nun zunächst die Testflüge gebraucht, ergänzte ein Sprecher des EPI-Konsortiums. Die Verantwortung dafür liege aber nicht bei den Triebwerksherstellern. Der Motor laufe.

"Die Software muss auf die zu erwartenden Flugbedingungen ausgelegt werden. Das geht aber nur, wenn man weiß, wie die Flugbedingungen tatsächlich sein werden", sagte ein Branchenkenner. Ohne die Testmaschine laufe also nichts. Außerdem habe Airbus mehrere hundert Änderungswünsche bei den Triebwerksbauern eingereicht. Dies koste zusätzlich Zeit. "Die Software ist wie das gesamte System extrem komplex." Die Testflüge sollen nun bis Ende des Jahres über die Bühne gehen. Nötig wären maximal 50 Teststunden, dann könnte der erste A400M zusammengebaut werden und auf Testflug gehen. "Ich tippe auf den Erstflug im Frühjahr nächsten Jahres."

Einschließlich der Zulieferer arbeiten mehr als 3000 Menschen an der A400M. Bisher wurden 192 A400M fest bestellt. Ursprünglich sollte die erste Maschine im Oktober 2009 an die französischen Streitkräfte gehen. Der Termin wurde um sechs Monate verschoben - mit Risiko einer Verzögerung um weitere sechs Monate. Die Bundeswehr muss bis 2011 auf ihre erste A400M warten. (mfa/dpa)

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