Luftfahrt : Air Berlin will sich gesund sparen

Konzernchef Joachim Hunold rechnet mit einem Gewinn am Ende des Geschäftsjahres. Im ersten Halbjahr gab es noch einen Verlust.

Maren Peters
Air Berlin steigert Umsatz und Gewinn
Bodennah. Air Berlin streicht im Winter unrentable Verbindungen. -Foto: ddp

Berlin - Air Berlin hat sich von seiner Wachstumsstrategie vorläufig verabschiedet. Konzernchef Joachim Hunold kündigte am Donnerstag in Berlin weitere Sparmaßnahmen an und hält nach wie vor an der Hoffnung fest, das Gesamtjahr ohne Verlust zu beenden. „Trotz aller Herausforderungen durch die sich abschwächende Weltkonjunktur und die Explosion des Kerosinpreises bleiben wir daher zuversichtlich, im laufenden Jahr ein positives operatives Ergebnis zu erzielen“, kündigte Hunold bei der Bekanntgabe der Zwischenbilanz an. Im ersten Halbjahr hat die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nach einem schwachen ersten Quartal noch einen Verlust von knapp 54 Millionen Euro verbucht.

Air Berlin hat schwierige Monate hinter sich. Zweimal musste der Lufthansa-Konkurrent die Gewinnprognose bereits nach unten korrigieren und auch die geplante Übernahme der Thomas-Cook-Tochter Condor wurde wegen widriger Geschäftsbedingungen abgesagt. Die Integration des Ferienfliegers LTU läuft nur schleppend, außerdem belasten hohe Kerosinpreise das Unternehmen wie auch die gesamte Branche. Konzernchef Hunold versucht, mit einem Einstellungsstopp, höheren Kerosinzuschlägen und Streckenstreichungen im Winterfahrplan gegenzusteuern. 150 Millionen Euro will Air Berlin damit insgesamt einsparen, kündigte Hunold am Donnerstag an.

Die Investoren konnte er damit überzeugen. Die Air-Berlin-Aktie legte zeitweise um bis zu sechs Prozent zu. Am späten Nachmittag notierte das Papier noch bei 4,05 Euro – ein Plus von gut vier Prozent. „Die Ergebnisse des abgelaufenen Quartals sind schwach ausgefallen. Gleichwohl hat es kein Desaster gegeben“, kommentierte Sebastian Kaufmann, Analyst von Cheuvreux. Unter dem Strich habe das Unternehmen die Erwartungen übertroffen, begründeten Analysten die positive Kursentwicklung.

Der Umsatz legte im zweiten Quartal um 6,7 Prozent auf 869,5 Millionen Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank dagegen nach Unternehmensangaben von 18,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 13,8 Millionen. Die Analysten hatten durchschnittlich mit 15 Millionen Euro gerechnet.

Die Zwischenbilanz sei durch Beratungskosten für die abgesagte Condor- Übernahme und hohe Anlaufkosten für die China-Strecken belastet worden, sagte Hunold zur Begründung. Allein die neuen China-Strecken – seit Mai fliegt Air Berlin Peking und Shanghai an – belasteten das Unternehmen mit 15 Millionen Euro. Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer verwies aber darauf, dass alle wichtigen Finanzkennzahlen verbessert worden seien. Nicht nur die Auslastung, sondern auch der Erlös pro Passagier und Kilometer sei gestiegen.

Einige Branchenbeobachter sind dennoch skeptisch, ob Air Berlin sein selbst gestecktes Jahresziel überhaupt noch erreichen kann. Cheuvreux-Experte Kaufmann hält das angesichts der Quartalszahlen für „unwahrscheinlich“. Auch sein Kollege Jürgen Pieper von Metzler sagte, es sei fraglich, ob Air Berlin angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen operativ schwarze Zahlen schreiben werde.

Dass ein neuer Billig-Rivale aus Condor, Tuifly und Germanwings (siehe Kasten) sein Geschäft zusätzlich belasten wird, sieht Hunold noch nicht. Selbst, wenn das Bundeskartellamt eine solche Fusion genehmigen würde, – was Hunold bezweifelt – „würde sich nicht allzu viel ändern“, bekräftigte er. Denn es handele sich um Wettbewerber, mit denen Air Berlin schon jetzt konkurriere.

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