Wirtschaft : Luftfahrt: Airbus hängt den Konkurrenten Boeing ab

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Ein optimistisches Zukunftsbild der Branche haben Flugzeughersteller und Branchenanalysten auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA gezeichnet, die am Montag auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld eröffnet wurde. Airbus Industrie hat in diesem Jahr bis Ende April insgesamt 40 Flugzeuge verkaufen können und wird 2002 sowie 2003 voraussichtlich jeweils 300 Maschinen ausliefern. Das sind acht Prozent weniger als 2001, teilte Präsident Noel Forgeard mit. Bis Ende April wurden bereits 104 Airbusse an Kunden übergeben. "Wir sind voll im Plan", sagte Forgeard.

Verglichen mit dem amerikanischen Konkurrenten Boeing, der erneut der ILA ferngeblieben ist, hatte Airbus mit einem Marktanteil von 53 Prozent im vergangenen Jahr die Nase leicht vorn. Bei den Verkäufen von Jumbo-Jets hat es die neue A 380 gegenüber der Boeing 747 ein Jahr nach dem Programmstart sogar auf einen Anteil von 84 Prozent gebracht. Nicht äußern wollte man sich bei Airbus zu den eventuellen Folgen einer Fusion der Billigfluggesellschaften Go und Easyjet. Go hatte mit dem Hersteller über den Kauf von bis zu 75 Mittelstreckenjets der A 320-Familie verhandelt. Beide Airlines setzen bisher Boeing 737-Modelle ein. Die europäischen Flugzeugbauer hoffen, auch hier Fuß fassen zu können.

Erstmals bestätigte Forgeard öffentlich, dass der neue Airbus A 340-500 für 313 bis 440 Passagiere mit seiner Reichweite von rund 16 000 Kilometern langfristig sogar in der Lage sein wird, nonstop von Europa nach Australien oder über den Pazifik von Nordamerika nach Südostasien zu fliegen. Das neue Langstreckenflugzeug hatte seinen Erstflug im Februar absolviert.

Bei ihrem traditionellen Treffen auf der ILA haben sich die Wirtschaftsminister der am Airbus-Projekt beteiligten Staaten mit Fragen der Forschung und Zusammenarbeit beschäftigt. Sie begrüßten die Initiative von Airbus Industrie für ein umfassendes Forschungs- und Technologieprogramm zur Erhöhung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit. Die nationale Unterstützung von Airbus-Forschungsprojekten soll künftig besser koordiniert werden, um Doppelungen zu vermeiden. Entscheidender Fortschritt müsse in den Bereichen Kosten, Reduzierung von Schadstoffemissionen und Lärm, Sicherheit, Kapazitätserhöhung sowie Reduzierung von Flugverspätungen erzielt werden.

Der kanadisch-amerikanische Hersteller von Regionalverkehrs- und Geschäftsreiseflugzeugen, Bombardier Aerospace, konnte auf der ILA den Verkauf von drei neuen Businessjets an Kunden aus Deutschland vermelden. Die Aufträge für zwei Learjets 60 und ein Exemplar des neuen Modells Global 5000 haben einen Gesamtwert von rund 58 Millionen US Dollar. Der Langstreckenjet Global 5000, der Anfang nächsten Jahres zu seinem Erstflug starten soll, hat ebenso wie das bereits in Serie gebaute Modell Global Express zwei BR710-Triebwerke als Antrieb, die von Rolls-Royce im brandenburgischen Dahlewitz gebaut werden. Selbst ist Bombardier am Wartungsbetrieb Lufthansa Bombardier Aviation Services (LBAS) und am Simulatorzentrum der CST in Schönefeld beteiligt. Keine Äußerung wollte Bombardier-Manager John Paul MacDonald zu einer möglichen Übernahme des insolventen Konkurrenzunternehmens Fairchild-Dornier machen. "Wir beobachten die Entwicklung und werden uns zu Wort melden, wenn wir etwas zu sagen haben". Da Bombardier die Entwicklung einer neuen Regionaljet-Familie eingestellt hat, könnte das von dem deutsch-amerikanischen Unternehmen entwickelte Projekt allerdings gut in die Bombardier-Palette passen.

Der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines berichtete auf der ILA, dass das Unternehmen einen neuen, transsonischen Verdichter entwickelt habe, der die Leistung des Düsentriebwerks PW 6000 - einem der beiden Antriebe für den kleinsten Airbus A 318 - bei gleichzeitig reduziertem Treibstoffverbrauch deutlich erhöhen soll. Das Projekt ist Ergebnis des Technologie-Programmes HDV12, das maßgeblich von der Bundesregierung gefördert wurde. Damit werde öffentlich geförderte Technologie erfolgreich in Serie gehen, sagte MTU-Präsident Klaus Steffens.

Die auf Analysen des Luftfahrt- und Verteidigungsmarktes spezialisierte, amerikanische TEAL-Gruppe hat auf der ILA in ihrer jüngsten Studie ebenfalls ein optimistisches Bild des Marktes für Geschäftsreiseflugzeuge gezeichnet. In den nächsten zehn Jahren rechnet man mit einem weltweiten Bedarf von 6908 Maschinen mit einem Gesamtwert von 95,2 Milliarden Dollar. Damit hat der Markt für Businessjets inzwischen den Bedarf an militärischen Kampfflugzeugen überschritten, sagte Chefanalyst Richard Aboulafia. Bombardier bleibe dabei mit 25,5 Prozent Marktführer.

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