Wirtschaft : Luftfahrt: "Airbus kommt mit Kurzarbeit über die Runden"

Herr Hertrich[warum ordern Billigflieger wie Ryan]

Herr Hertrich, warum ordern Billigflieger wie Ryanair bei Boeing und nicht bei Airbus?

Billigfluggesellschaften wie Frontier oder Jet-Blue sind durchaus Airbus-Kunden. Mal geht die eine Kampagne an uns, mal an Boeing. Dabei kommt es nicht nur auf den Preis an. Genauso wichtig sind die Betriebskosten, also Leistungsfähigkeit und Verbrauch. Wirtschaftlicher für die Airlines und moderner sind Airbus. Im Übrigen aber wollen wir gar nicht alle bedienen.

Wie bitte?

Uns reicht ein Marktanteil von 50 Prozent. Gemessen an der Stückzahl kontrollieren wir im Bereich der zivilen Flugzeuge mit über 100 Sitzen den Markt zurzeit mit rund 50 Prozent, wertmäßig sogar zu 62 Prozent.

Sie überlassen Ryanair einfach so Boeing?

Die Rechnung muss stimmen. Mit Ryanair ging unsere Rechnung nicht auf. Marktanteile um jeden Preis sind nicht unser Ziel. Jeder Abschluss muss profitabel sein.

Man könnte den Eindruck gewinnen, Airbus und Boeing arrangieren sich.

Davon kann keine Rede sein. Der Wettbewerb nimmt im Abschwung sogar an Intensität zu. Dabei befinden wir uns lediglich in einer etwas günstigeren Situation als Boeing. Der Abschwung hat die Amerikaner getroffen, als sie bereits massiv Kapazitäten abbauen mussten. Bei uns hat der Abschwung nur den Aufschwung gebremst.

Die Konjunkturflaute ist das eine. Wie stark ist EADS denn von den Folgen des 11. September betroffen?

Die Airlines, unsere Kunden, haben ihre Kapazitäten, also ihre Flotten, der gesunkenen Nachfrage angepasst. Das führte auch dazu, dass feste Bestellungen von Flugzeugen verschoben wurden.

Wie viele Order wurden verschoben und wie viele Aufträge storniert?

Durch Verschiebung verlieren wir in diesem Jahr rund ein Viertel des geplanten Absatzvolumens. Airbus wollte ursprünglich 400 Maschinen ausliefern. Mittlerweile gehen wir von 300 Stück aus. Rund 100 Bestellungen wurden verschoben, nur wenige storniert. Dabei handelt es sich um Bestellungen von Gesellschaften wie TWA, Swissair und Sabena, die in Konkurs gegangen sind.

Was kostet das EADS?

Das niedrigere Produktionsvolumen bei Airbus wird sich in einem rückläufigen Ebit niederschlagen. Wir rechnen für dieses Jahr mit 1,2 Milliarden Euro nach 1,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Inwieweit könnte ein Zuwachs im Verteidigungsbereich und im Raumfahrtgeschäft den erwarteten Einbruch beim zivilen Luftfahrtgeschäft kompensieren?

Kurzfristig in Europa überhaupt nicht; mittelfristig nur geringfügig. Anders als in den Vereinigten Staaten wurden die Verteidigungsbudgets in Europa der veränderten Sicherheitslage ja nur geringfügig angepasst. Mittelfristig wird Sicherheit neu definiert werden. Dann steigen mit den höheren Anforderungen an die Streitkräfte auch unsere Aufträge. Nach den Wahlen in Frankreich und Deutschland wird man das deutlich erkennen.

Sie rechnen in diesem Jahr mit mindestens 300 Airbus-Auslieferungen, nach 325 im vergangenen Jahr. Was macht Sie so sicher, dass es am Ende nicht doch weniger werden?

Wir stehen in ständigem Kontakt mit unseren Kunden.

Also drohen keine Entlassungen?

Wir werden mit Kurzarbeit von ein bis zwei Wochen in den verschiedenen Werken über die Runden kommen.

Wie wollen Sie bei der schwierigen Ertragslage die Entwicklungskosten für das Großraumflugzeug Airbus A380 finanzieren, die in diesem Jahr von 600 Millionen Euro auf eine Milliarden Euro steigen sollen?

Das Geld haben wir. Bei der ursprünglichen Planung des Projektes gingen wir davon aus, die A380 aus unserem Cash-Flow und entsprechenden Entwicklungsdarlehen der Regierungen finanzieren zu können. Von den 10,7 Milliarden Dollar, die für die Entwicklung der A380 veranschlagt sind, müssen wir die Hälfte selber erwirtschaften.

Wie viele Festbestellungen für die A380 liegen vor?

Fast 100.

Wieso wollen Sie Fairchild Dornier Boeing überlassen?

Ob Boeing bei Fairchild Dornier einsteigt, weiß ich nicht. Weder wir noch Boeing sind in diesem Segment tätig. Wir konzentrieren uns lieber auf das neue Großraumflugzeug A380. Unsere Ressourcen sind nicht unendlich. Außerdem verdienen wir an großen Maschinen auch mehr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben