Wirtschaft : Luftfahrt: Airbus stiehlt Boeing die Show

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Europas Verkehrsflugzeughersteller Airbus SAS, Toulouse, hat auf der weltweit wichtigsten Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris 155 Festbestellungen im Wert von 13,2 Milliarden Dollar hereingenommen, dazu kommen 20 Optionen für weitere Flugzeuge. Die Europäer verdoppeln damit ihre Verkäufe im laufenden Jahr auf 299 Flugzeuge und machen Punkte in der transatlantischen Konkurrenz mit dem Wettbewerber Boeing Co. aus Seattle / Washington. Dieser brachte in Le Bourget ganze drei Großraumflugzeuge vom Typ B777 im Gesamtwert von 525 Millionen Dollar bei japanischen Kunden unter.

"Dieses Match gegen Boeing haben wir gewonnen", sagte Airbus-Vorstandschef Noël Forgeard im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Natürlich ist der Wettbewerb nicht für immer entschieden. Aber wir sind sehr zufrieden." Das gelte besonders für den 8,6 Milliarden Dollar umfassenden Auftrag der US-Flugzeugleasinggesellschaft ILFC Inc. über 111 Flugzeuge, darunter zehn vom Typ A380. "Diese Gesellschaft wird als eine Art Spiegel des Marktes angesehen", sagte Forgeard. "Drei Fünftel ihrer offenen Bestellungen hat ILFC nun bei Airbus."

Boeing versuchte dagegen, Fluggesellschaften für das Vorhaben einer nahe an Schallgeschwindigkeit fliegenden Verkehrsmaschine zu begeistern. 15 Airlines hätten sich am "Sonic Cruiser" interessiert gezeigt, und erste Verkäufe erwarte man Ende 2002, erklärte der Chef der Boeing-Division Verkehrsflugzeuge, Alan Mulally.

Zu den Interessenten zählten neben den großen US-Airlines auch Star-Alliance-Mitglied Singapore Airlines sowie Air France. Deren Chef Jean-Cyril Spinetta äußerte indes Zurückhaltung: "Ich kann mir keine Meinung über ein Flugzeug bilden, das nur auf dem Papier existiert." Auch Forgeard gab zu bedenken: "Das ist noch nicht einmal ein Projekt." Er bezweifelt, dass der Markt für neue Überschall- oder Naheschall-Flugzeuge groß genug ist. "Der Wettbewerb verschiedener Konzepte ist natürlich gut", doch lägen die Prioritäten der Fluglinien derzeit bei Wirtschaftlichkeit und Umweltaspekten. So traut Forgeard dem Riesen-Airbus A380 erhebliche Verbreitung auch über den Kreis der bisherigen Besteller zu, die ihn vor allem auf Langstrecken einsetzen wollen.

Das betrifft zum Beispiel den japanischen Markt, wo große Flugzeuge auf relativ kurzen Strecken jeweils hunderte von Passagieren befördern. Allein Japan Airlines betreibt 80 dicht bestuhlte Boeing B747. Auch hier könnte das Boeing-Flaggschiff Konkurrenz bekommen. Beim neuen großen Airbus wurden Evakuierungsmodelle für bis zu 825 Menschen entwickelt, wie in Toulouse zu erfahren ist - ein Hinweis auf künftige A380-Versionen. Noch warten Japans Luftlinien ab. "Aber wenn die ersten A380 in Narita landen, werden sie Interesse bekommen", kann sich Forgeard vorstellen. "Das wäre für das A380-Programm ein gutes Zusatzgeschäft." In seinen Augen ist der Flieger aber zunächst eine Langstreckenmaschine.

Beim europäisch-amerikanischen Flugzeug-Wettstreit rangieren nach Forgeards Einschätzung kommerzielle Aspekte im Vordergrund. "Da droht absolut kein Handelskrieg, daran hätte niemand irgendein Interesse", sagte er. Man agiere auf Basis des Abkommens von 1992, das die staatliche Förderung regele.

Aufträge für 91,5 Milliarden Mark

Der 44. Luft- und Raumfahrtsalon Le Bourget bei Paris hat Aufträge in einer Größenordnung von rund hundert Milliarden Mark gebracht. Messedirektor Edmond Marchegay sprach am Sonntag von Festbestellungen über 46,75 Milliarden Euro (rund 91,5 Milliarden Mark). Darüber hinaus seien Bestellungen im Wert von 17,25 Milliarden Euro (33,7 Milliarden Mark) angekündigt worden. Die Zahl der Besucher der zehntägigen Messe stieg gegenüber 1999 um mehr als zehn Prozent auf über 330 000.

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