Luftfahrt : Fliegen kostet die Welt

Erstmals fielen Aktien von Air Berlin auf unter vier Euro. Gute Nachrichten für die Luftfahrtbranche sind selten geworden.

Juliane Schäuble

Berlin - Gute Nachrichten für die Luftfahrtbranche sind selten geworden. Nicht nur, dass der ständig steigende Ölpreis die Kosten für Kerosin in ungeahnte Höhen treibt und der Wettbewerb härter wird. Nun hat sich auch noch die Europäische Union darauf verständigt, Fluggesellschaften ab dem Jahr 2012 für den Ausstoß von Treibhausgasen bei Flügen in oder nach Europa zur Kasse zu bitten. Luftfahrtpapiere gaben am Freitag nach massiven Verlusten am Vortag erneut deutlich nach. Air-Berlin-Aktien schlossen mit 4,08 Euro sechs Prozent im Minus, nachdem sie erstmals zeitweise auf unter vier Euro gefallen waren. Am Donnerstag hatten sie bereits um fast 14 Prozent nachgegeben. Auch Aktien des Marktführers Lufthansa verloren leicht.

Auf den Rekordölpreis von mehr als 142 Dollar je Fass (159 Liter) reagiert Air Berlin mit einer weiteren Gebühr: Wer ab dem 1. Juli online bei der zweitgrößten deutschen Fluglinie bucht, zahlt je Person und Buchung ein „Serviceentgelt“ von zehn Euro. Eine solche Internetgebühr gibt es bei Lufthansa und anderen Fluglinien bereits seit längerem. Bei der Buchung über ein Callcenter oder einen Ticketschalter werden statt bislang acht Euro pro Strecke nun 20 Euro pro Person und Buchung fällig, unabhängig von der Anzahl der Strecken.

Die geplanten Klimaauflagen der EU für die Branche bezeichnete Air-Berlin- Sprecher Peter Hauptvogel als „aberwitzig, gerade zur jetzigen Zeit“. Der nach monatelangen Debatten erreichte Kompromiss zwischen Europäischem Rat, Parlament und Kommission sieht vor, dass der Luftverkehr ab 2012 erstmals in den Handel mit Luftverschmutzungsrechten einbezogen werden soll. Dann sollen 15 Prozent der Zertifikate versteigert werden, die Menge kann aber im Rahmen der Verhandlungen zum Klimapaket der EU noch erhöht werden. Die Einnahmen sollen die Mitgliedstaaten für Klimaschutzmaßnahmen verwenden.

In einer ersten Reaktion warnten sowohl Air Berlin als auch Lufthansa vor steigenden Ticketpreisen. „Dadurch wird das Fliegen teurer, ohne die Umwelt zu schützen“, kritisierte Hauptvogel. Auch eine Lufthansa-Sprecherin sprach von einer „verheerenden Belastung“, ohne Details zu nennen. Juliane Schäuble

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben