Luftfahrt : Grünes Licht für Ausbau des Frankfurter Flughafens

Der jahrelang umstrittene Ausbau des Frankfurter Flughafens ist genehmigt. Damit steht dem Bau einer neuen Landebahn sowie eines dritten Terminals nichts mehr im Wege. Der nächtliche Flugbetrieb soll aber eingeschränkt werden.

Frankfurter Flughafen
Der Frankfurter Flughafen. Internationales Drehkreuz im Luftverkehr -Foto: dpa

Wiesbaden Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) unterzeichnete heute in Wiesbaden den Planfeststellungsbeschluss für den Bau einer vierten Piste und eines dritten Terminals. Damit wurde nach zehnjährigen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern grünes Licht für die Vier-Milliarden-Euro-Investition des Flughafenbetreibers Fraport gegeben.

Als entscheidendes Argument für den umstrittenen Ausbau von Deutschlands größtem Flughafen nannte der Minister rund 40.000 Arbeitsplätze, die bis 2020 entstehen könnten. Damit werde der Flughafen dann rund 100.000 Menschen einen Arbeitsplatz bieten. Nur mit dem Ausbau könne der Flughafen seine Stellung als größte Arbeitsstätte in Deutschland und eine der weltweit acht wichtigsten Luftfahrt-Drehscheiben verteidigen.

Beschränkung der Nachtflüge

Die von Rhiel erlassene Baugenehmigung schränkt den nächtlichen Flugbetrieb stark ein. Ein absolutes Nachtflugverbot zwischen 23 und fünf Uhr wird es aber nicht geben. Vielmehr sollen im Schnitt bis zu 17 planmäßige Maschinen pro Nacht in dieser Zeit starten oder landen dürfen. Auf der neuen Nordwest-Landebahn gilt ein komplettes Nachtflugverbot.

Ein Verbot nächtlicher Flüge ohne jede Ausnahme werde vor den Gerichten voraussichtlich keinen Bestand haben, erklärte Rhiel. Darauf hätten Urteile des Bundesverwaltungsgerichts zu den Flughäfen Berlin und Leipzig im vergangenen Jahr hingedeutet.

44 Starts mehr pro Stunde

Die für geplante Einschränkung des nächtlichen Flugverkehrs ist aus Sicht von Rhiel dennoch mit dem Ergebnis des Mediationsverfahrens vor sieben Jahren vereinbar. Darin war in einem politischen Kompromiss ein ausnahmsloses Nachtflugverbot als Voraussetzung für den Ausbau und als Ausgleich für den steigenden Fluglärm genannt worden. In dem Gremium saßen Vertreter von Kommunen, Unternehmen und anderen gesellschaftlichen Gruppen.

Das seit 1998 diskutierte Vorhaben soll die Kapazität von Deutschlands größtem Flughafen von derzeit knapp 500.000 auf gut 700.000 Starts und Landungen steigern. Die Zahl der geplanten Flugbewegungen pro Stunde kann von bisher rund 82 auf 126 steigen. 2020 wird mit 88,6 Millionen Fluggästen gerechnet, 2006 waren es 52,8 Millionen.

Die Baugenehmigung ist laut Rhiel mit einem Sofortvollzug versehen. Klagen gegen den Ausbau hätten keine aufschiebende Wirkung. Diese könnte aber mit Eilanträgen erreicht werden. Der Umweltverband BUND kündigte umgehend eine Klage an. Er kritisierte die Zunahme der Lärmbelastung und eine "völlige Ignoranz gegenüber dem Klimaschutz". Auch mehrere Kommunen wollen das Vorhaben noch juristisch stoppen.

Mit der Genehmigung ist nach Darstellung von Fraport-Chef Wilhelm Bender eine wichtige Hürde für die Erweiterung des Flughafens genommen. Dafür sei allerdings ein langer, vielleicht zu langer Anlauf nötig gewesen, sagte Bender. Es handele sich um das größte privat finanzierte Investitionsvorhaben Deutschlands. (ae/dpa)

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