Wirtschaft : Luftfahrt: Marktführer in Turbulenzen

Martina Ohm

Von wegen Germania oder Ryanair - jetzt ist klar, wie der wahre Herausforderer der Lufthansa heißt. Der Grieche Stelios Haji-Ioannou hat es mit seiner Billig-Airline Easyjet auf die glücklose Deutsche BA und den deutschen Markt abgesehen. Das ist keine Kleinigkeit: Klappt die Übernahme, sichert sich Easyjet nicht nur eine exzellente Startposition auf dem wichtigen Flugdrehkreuz München, sondern mehr als 100 Flugverbindungen täglich. Das ist für die Kunden vielversprechend und für den Marktführer in Deutschland, die Lufthansa, eine Herausforderung neuer Qualität. Gegenüber der Kampfansage von Easyjet wirken die Scharmützel mit Germania oder Ryanair harmlos. Will Lufthansa den Einstieg Easyjets tatsächlich tatenlos hinnehmen? Wer glaubt, in diesen Zeiten nur mit Qualität zu überzeugen, irrt. Die Kundschaft schaut zunehmend auf die Preise, selbst Geschäftsleute müssen zum Billig-Ticket greifen. Früher oder später wird der Lufthansa-Vorstand also erneut über den alten Plan einer eigenen Billig-Fluglinie nachdenken müssen.

Auch in den USA haben sich die etablierten Gesellschaften lange geziert, mit eigenen Billigmarken verlorenes Terrain zurückzuholen. Und auch dort gab es Wegbereiter, etwa den Überflieger Jetblue. Heute demonstrieren selbst Anbieter wie Continental oder Northwest mit den Töchtern Expressjet oder Pinnacle Airlines, wie man erfolgreich Passagiere an Bord lotsen kann.

So groß die Furcht auch sein mag, sich am Ende selber Konkurrenz zu machen - fest steht: Darauf zu hoffen, dass sich Easyjet überhebt, wäre ein Vabanquespiel. Will Lufthansa keine Kunden verlieren, müssen ihre Flugtickets billiger werden - egal wie.

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