Luftfahrt : Schaulaufen in Paris

Vor der Luftfahrtmesse kündigt Airbus sauberere Flugzeuge an und Boeing erhöht seine Prognose. Die Klimadiskussion könnte zum Vorteil für die Europäer werden.

Rainer W. During
Luftfahrt
Airbus könnte von der Klimadiskussion profitieren.Foto: AFP

Berlin - Der Chef des europäischen Flugzeugbauers Airbus, Louis Gallois, hat den US-Konkurrenten Boeing dazu aufgerufen, gemeinsam Technologien zur Reduzierung von Treibhausgasen zu entwickeln. „Ich rufe unsere Partner, Zulieferer und Wettbewerber dazu auf, eine gemeinsame Vision zu entwickeln, damit unsere Branche eine grüne Industrie wird“, sagte Gallois am Donnerstag in Paris. „Dieser Aufruf schließt Boeing ein.“

Das Thema Treibhausemissionen wird zu einem echten Wettbewerbsfaktor in der Branche. Denn der Flugverkehr steht am Pranger der Klimaschützer, auch wenn er nur für zwei Prozent der weltweit emittierten Treibhausgase verantwortlich ist. Der Chef des Billigfliegers Easyjet, Andy Harrison, verstärkte den Druck auf die Flugzeugbauer, umweltfreundlichere Kurzstreckenjets zu entwickeln. Er ging am Donnerstag in London sogar soweit, ein von Easyjet-Ingenieuren gebautes Modell zu präsentieren, das gegenüber dem Airbus A 319 den CO2-Ausstoß um die Hälfte und den Lärm um ein Viertel reduziert. „Das ist keine Zukunftsmusik, sondern ein Jet, der mit bestehender Technologie 2015 auf den Markt kommen könnte“, sagte Harrison.

Airbus setzt auf eigene Entwicklungen und verpflichtet sich, dass die neuen Jets bis zum Jahr 2020 nur noch halb so viel CO2 ausstoßen und geringeren Lärm verursachen. Darüber hinaus will Airbus seine Produktion so organisieren, dass bis zum Jahr 2020 der eigene Energieverbrauch um 30 Prozent und der CO2-Ausstoß um die Hälfte sinkt. Um das zu erreichen, soll das Budget für Forschung und Technik von derzeit 350 Millionen Euro um 25 Prozent erhöht werden.

Wenige Tage vor der Eröffnung der weltgrößten Luftfahrtmesse in Paris hat Konkurrent Boeing seine Prognose für den Verkehrsflugzeugmarkt nach oben korrigiert. Die Amerikaner sehen bis zum Jahr 2025 einen weltweiten Bedarf für 28 600 Passagier- und Frachtflugzeuge im Gesamtwert von rund 2,8 Milliarden Euro. Experten gehen davon aus, dass sich Airbus und Boeing dieses Volumen teilen werden.Vor Jahresfrist hatte Boeing für den weltweiten Flugzeugmarkt noch einen Bedarf von 27 200 Jets prognostiziert, Airbus gab sich mit 22 663 deutlich konservativer. Die größte Nachfrage erwarten die Amerikaner mit 17 650 Maschinen bei den kleineren Schmalrumpfflugzeugen für Kurz- und Mittelstrecken, die zunehmend von den Billig-Airlines dominiert werden. Hier konkurrieren die Flugzeugfamilien Airbus A 320 und Boeing 737, die sich nach wie vor gut verkaufen, aber beide zukünftig von neuen Modellen abgelöst werden sollen. Ihren schärfsten Wettbewerb, der auch auf dem Aero-Salon in Le Bourget bei Paris (18. bis 24. Juni) im Vordergrund stehen wird, tragen beide Konzerne gegenwärtig auf der Langstrecke aus. Airbus wird in Paris den Megajet A 380 fliegen lassen, der nach massiven Produktionsproblemen mit nun einjähriger Verspätung zum Jahresende den Flugbetrieb bei Singapore Airlines aufnehmen soll. Mit 160 Bestellungen ist man noch weit von der Gewinnzone entfernt.

Erwartet wird, dass beide Unternehmen in Paris neue Aufträge bekannt geben werden. In den vergangenen Jahren war es Airbus gelungen, bei den Verkaufszahlen zum Marktführer Boeing aufzuschließen. Unter anderem die Produktionsprobleme beim A 380 und die Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften und Belegschaften um das Sparprogramm „Power 8“ haben die Position des europäischen Flugzeugbauers deutlich geschwächt.

Boeing befinde sich jetzt wieder in der Offensive, sagt der Luftfahrtanalyst der Bayerischen Landesbank, Ulrich Horstmann. Es werde beim Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Hersteller großer Verkehrsflugzeuge bleiben. Allerdings, so Horstmann, habe Boeing derzeit die besseren strategischen Optionen. Sollte der Konzern frühzeitig mit einem Nachfolgemodell für den Mittelstreckenjet 737 auf den Markt gehen und so eine neue Modellfamilie starten, werde Airbus „ziemlich unter Druck geraten“.mit ali/dih (HB)

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