Luftfahrtbranche : Körperscanner sind zu dick

Die Flughäfen lehnen die sperrigen Geräte ab: Die Erholung der gesamten Branche werde gefährdet.

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Durchblick. Seit einem vereitelten Terroranschlag im Dezember müssen sich Fluggäste in einigen Ländern komplett durchleuchten...Foto: AFP

Berlin - Die deutsche Luftfahrtbranche erreicht langsam wieder ihre Stärke, die sie vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise hatte. So registrierten die heimischen Flughäfen im März knapp neun Prozent mehr Gäste als im gleichen Monat des Krisenjahres 2009. Im gesamten ersten Quartal legte die Passagierzahl damit immerhin um knapp vier Prozent zu – bei der Luftfracht sogar um fast 25 Prozent. Das teilte der Flughafenverband ADV am Dienstag in Berlin mit. Allerdings fürchtet man bei den Flughäfen, dass dieses Frühlingserwachen ein plötzliches Ende nehmen könnte, wenn sich einige Innenpolitiker in Berlin und Brüssel durchsetzen und eine weitere Verschärfung der Sicherheitskontrollen vorschreiben.

Das machte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel deutlich, der die Interessen von 23 internationalen Flughäfen vertritt. „Kontrollen sind nötig, aber man muss sehen, dass der Anteil der Sicherheitskosten an einem Flugticket seit den Anschlägen vom 11. September 2001 von zehn auf rund 30 Prozent gestiegen ist“, sagte er. Mit jeder Verschärfung der Richtlinien müssen die Passagiere mehr Zeit in der Abfertigung verbringen. Das kostet Zeit und Geld und könnte vor allem auf Inlandsverbindungen mehr Menschen dazu bewegen, in die Bahn oder das Auto umzusteigen.

Derzeit verhandelt der ADV mit dem Bundesinnenministerium und der EU-Komission über die konkrete Ausgestaltung von Richtlinien. Parallel dazu führen die Berliner Flughäfen intensive Gespräche mit der Bundespolizei im Zuge der Bauarbeiten am Großflughafen BBI. In diesen Runden geht es unter anderem um die Frage des Einbaus von Körperscannern, die jeden Fluggast vor dem Einchecken bis auf die Unterwäsche nach Waffen und Sprengstoff durchleuchten. Führende Politiker hatten sich für den obligatorischen Einbau solcher Geräte starkgemacht, nachdem an Weihnachten ein Nigerianer versucht hatte, ein Flugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit in die Luft zu sprengen.

Die Flughäfen fürchten zum einen die Kosten, die auf rund 300 000 Euro pro Scanner geschätzt werden. Allein der Flughafen Berlin-Tegel müsste, sofern die Bundesregierung noch in diesem Jahr eine Installation vorschreibt, kurz vor seiner Schließung 2011 bis zu 50 solcher Geräte anschaffen: Macht in der Summe 15 Millionen, die der Flughafen am Ende wohl über die Ticketpreise bei den Passagieren eintreiben müsste.

Ralph Beisel vom ADV schätzt zudem, dass die Geräte, die die Industrie derzeit anbietet, so sperrig und langsam sind, dass die Abfertigungskapazität der Sicherheitsbehörden um 20 bis 30 Prozent sinken würde. „Manche Flughäfen stoßen dabei an ihre Kapazitätsgrenzen, Hallen sind nicht wie Gummi dehnbar.“ Das gelte auch für den noch nicht eröffneten BBI. Zudem seien viele Scanner, die die Industrie derzeit anpreist, so schwer, dass es in einigen Abfertigungshallen Probleme mit der Statik der Gebäude geben dürfte, behauptete Beisel.

Fast noch mehr Kopfschmerzen bereitet den Flughafenbetreibern derzeit aber ein EU-Beschluss, der die Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck neu regeln soll. „Der war gut gemeint, aber schlecht gemacht“, sagte Beisel. So dürfen ab April 2011 Transitpassagiere aus Nicht-EU-Ländern wieder Flüssigkeiten mitführen, ab 2013 dann alle Passagiere – vorausgesetzt sie legen jedes Wasser-, Shampoo- und Duftwasserfläschchen in einen Scanner. Noch ein Riesengerät. „Ich fordere die Politik auf, die Regelungen bis auf weiteres zu verschieben“, sagte der Flughafenfunktionär schließlich.

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