Luftfahrtindustrie : Airbus: Der Jungfrau sei Dank

Dank eines Auftrags von Virgin verbucht der Flugzeugbauer Airbus 2010 mehr Bestellungen als Boeing. Jetzt will Airbus bis zu 3000 neue Mitarbeiter in Europa einstellen.

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Preiset die Herren. Virgin-Gründer Richard Branson hebt die Krücken, Airbus-Chef Thomas Enders die Arme, und auch zwei Untergebene machen auf Show.
Preiset die Herren. Virgin-Gründer Richard Branson hebt die Krücken, Airbus-Chef Thomas Enders die Arme, und auch zwei Untergebene...Foto: AFP

Airbus-Chef Thomas Enders gab sich relativ zufrieden. „2010 war kein schlechtes Jahr für uns“, sagte er am Montag bei der Jahrespressekonferenz in Toulouse. Der europäische Flugzeughersteller hat den amerikanischen Konkurrenten Boeing bei Auslieferung und Auftragseingang klar geschlagen. Grund dafür ist vor allem eine Bestellung des britischen Multiunternehmers Sir Richard Branson, die noch am 29. Dezember einging. Branson bestellte 60 A320 für seine US-Gesellschaft Virgin America; Virgin bedeutet auf Deutsch Jungfrau. Airbus überschritt zudem die symbolisch wichtige Marke von 10 000 verkauften Flugzeugen.

Virgin America hat als erster Kunde auch den neuen Airbus A320 neo – das Kürzel steht für new engine option, zu Deutsch „neue Triebwerksoption“ – mit 30 Exemplaren fest bestellt und will das Modell 2016 in Dienst stellen. Der mit neuen Düsenaggregaten ausgestattete Mittelstreckenjet soll 15 Prozent weniger Kerosin verbrauchen. Das entspricht einer jährlichen Einsparung von 1,4 Millionen Litern Sprit und 3600 Tonnen CO2-Emissionen pro Flugzeug.

2010 hat Airbus 644 Flugzeuge verkauft. Abzüglich der Stornierung von 70 älteren Aufträgen blieb ein Volumen von 574 Maschinen. Boeing brachte es nur auf 530 Bestellungen. Airbus hat somit einen Marktanteil von 51 Prozent bei Verkehrsflugzeugen mit mehr als 100 Sitzen. Der Gesamtauftragsbestand liegt bei 3552 Jets (Boeing: 3443) im Listenpreis-Gesamtwert von mehr als 480 Milliarden US-Dollar. Damit ist die Produktion für die kommenden sechs Jahre ausgelastet. Ausgeliefert wurden im vergangenen Jahr 510 Flugzeuge (Boeing 462).

Lediglich beim Problemkind, dem Super-Jumbo A380, wurde die angestrebte Zahl von 20 Auslieferungen nicht geschafft. Dass nur 18 der Großmaschinen ihre Kunden erreichten, lag an den Problemen mit den Trent-900-Triebwerken des britischen Herstellers Rolls-Royce. Nach der auf Konstruktionsfehler zurückzuführenden Explosion eines Aggregats an einer Maschine der australischen Qantas müssen die Antriebe modifiziert werden. Erst Mitte des Jahres werde man wissen, ob in diesem Jahr die geplante Zahl von 25 Auslieferungen erreicht werden kann, sagte Enders. 2012 sollen dann 36 A380 die Halle verlassen.

Insgesamt will der Hersteller die Produktion in diesem Jahr weiter auf 520 bis 530 Flugzeuge steigern. Der neue, überwiegend aus Kunststoff gebaute Großraumjet A350 ist mit 583 Festbestellungen insgesamt auf einem guten Weg. Ende des Jahres soll die Endmontage beginnen, das erste Flugzeug in der zweiten Hälfte des Jahres 2013 ausgeliefert werden. Man habe aus den Produktionsproblemen beim A380 gelernt, sagte Fabrice Bregier, der als Vorstand für das Tagesgeschäft zuständig ist. Eine Erfahrung sei dabei besonders wichtig gewesen: „Man darf nicht den nächsten Schritt machen, bevor man dafür gerüstet ist, sonst zahlt man am Ende doppelt.“

„Wir gehen davon aus, auch 2011 mehr neue Aufträge einzufahren als Flugzeuge auszuliefern“, sagte Enders. Ein Problem seien die Kapazitäten der Zulieferfirmen. Dass diese das Wachstum von Airbus begrenzen könnten, sei „ein Faktor, mit dem wir rechnen müssen“. In diesem Jahr will Airbus bis zu 3000 neue Mitarbeiter einstellen, die Hälfte davon als Ersatz für altersbedingt ausscheidende Kollegen. In Deutschland, wo Airbus 17 100 Beschäftigte zählt, sollen es mehrere hundert sein. 2010 wurden 630 Personen eingestellt, darunter auch 450 Leiharbeiter in feste Arbeitsverhältnisse übernommen.

Ungeachtet der Verkaufserfolge wird Airbus aber auch in diesem Jahr noch nicht in die Gewinnzone düsen. Grund sind die hohen Kosten für den problematischen Bau des A380 sowie die Entwicklung der neuen Programme A350 und A400M. Bei dem Militärtransporter hofft Enders darauf, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages trotz aller Zweifel in dieser Woche der Finanzierung der Mehrkosten für den Militärtransporter zustimmen wird.

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