Wirtschaft : Luftfahrtindustrie: Auch Lufthansa greift zu drastischen Sparmaßnahmen

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Die Lufthansa wird ihren erwarteten Gewinn von 700 bis 750 Millionen Euro in diesem Jahr nicht erreichen und zugleich mit drastischen Sparmaßnahmen auf die Folgen der Terroranschläge in den USA reagieren. Am Mittwoch gab das Unternehmen nach der Aufsichtsratsitzung in Frankfurt eine Gewinn-Warnung heraus. Damit revidiert die Lufthansa ihre Prognose zum zweiten Mal in diesem Jahr. Ursprünglich hatte sie für 2001 einen operativen Gewinn von einer Milliarde Euro erwartet - nach den Pilotenstreiks, dem teuren Tarifabschluss für das Cockpit-Personal und der Konjunkturabschwächung diese Prognose aber im Juli korrigiert. Wie stark das Ergebnis jetzt abrutschen wird, ließ die Fluggesellschaft am Mittwoch offen. Die Auswirkungen seien "dramatisch negativ", man müsse reagieren, "um das Unternehmen und die Arbeitsplätze nicht zu gefährden", sagt ein Insider.

Bestellung verschoben

Die geplante Bestellung von zehn Großraumflugzeugen des Typ Airbus 380 wird verschoben, ebenso wie der Auftrag für acht Boeing-Jumbos. Fest steht auch, wie aus Lufthansa-Kreisen zu hören ist, dass die Flugpreise schon in Kürze angehoben werden. Einen Personalabbau soll es aber nicht geben. Mit der Gewinnwarnung und den anderen Maßnahmen reagiert die Lufthansa auf die gravierenden Folgen der Terroranschläge in den USA auf den Luftverkehr. Beobachter erwarten ein operatives Ergebnis von deutlich unter 500 Millionen Euro. Am Dienstag hatte die niederländische KLM eine Gewinnwarnung herausgegeben. Bereits im August hatte der Vorstand beschlossen, aufgrund der schwachen Konjunktur mehrere Flüge in die USA aus dem Flugplan zu nehmen. Am Mittwoch ist die erst im März eröffnete Direktverbindung Berlin-Washington wegen zu geringer Auslastung wieder eingestellt worden.

In der vergangenen Woche sind bei der Lufthansa rund 100 Flüge in die USA ausgefallen, was einem deutlichen zweistelligen Umsatzausfall in Euro entsprechen dürfte. Einige Experten gehen von einer Einbuße von bis zu zehn Millionen Euro pro Tag aus. Rund 20 Prozent der gesamten Verkehrserlöse fliegt die Lufthansa auf den Nordatlantik-Strecken ein. Dieser Bereich gilt zudem als besonders profitabel. Generell wird im Flugverkehr gerade im dritten Quartal besonders gut verdient. Jetzt wird allein auf der Nordatlantikstrecke mit einem Nachfragerückgang um 15 bis 20 Prozent gerechnet. Dazu kommen Hunderte von Stornierungen von Geschäftsreisen. Zudem muss bedeutend mehr Geld als bisher für Sicherheitsmaßnahmen ausgeben werden.

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