Wirtschaft : Luftfahrtindustrie: Kommentar: Branche in der Existenzkrise

Thomas Magenheim

Der Terror strahlt nach und nach auf weite Teile der Wirtschaft aus. Die Luftfahrt ist eine der Branchen, die bedrohlich in den Strudel der Ereignisse gerissen wird. Verängstigte Kunden wollen angesichts der Schreckensbilder nicht mehr fliegen und bringen damit die Airlines in Bedrängnis. Die reagieren mit Massenentlassungen und streichen Investitionen. Das wiederum schlägt auf die Flugzeughersteller durch. Die fallenden Türme des World Trade Center haben also eine Dominoeffekt in Gang gesetzt. Zwar mag der US-Flugzeugbauer Boeing davon als Produzent am härtesten betroffen sein. Denn da vor allem die US-Fluggesellschaften vom sinkenden Passagieraufkommen betroffen sind, bricht speziell Boeing der Heimatmarkt weg; bis zu 30 000 Stellen will Boeing deshalb streichen. Doch ein Vielfaches dessen steht bei allen amerikanischen Airlines zur Disposition.

Aber auch Europas Luftfahrtindustrie, die größtenteils vom EADS-Konzern und dessen Tochter Airbus repräsentiert wird, stehen schwere Turbulenzen bevor. Erstes Indiz dafür ist, dass die deutsche Lufthansa ihre eigentlich am Mittwoch erwartete Entscheidung zum Riesen-Airbus A 380 verschoben hat. Eine Bestellung trotz kriegerischer Zeiten wäre in der Branche als positives Zeichen von globaler Bedeutung verstanden worden. Ein Zeichen ist es auch jetzt, aber ein negatives. Als Reaktion auf die düstere Lage muss auch die EADS am heutigen Donnerstag neue Produktions- und Investitionspläne präsentieren. Vor diesem Hintergrund ist es nur zu verständlich, dass in Europa Staatshilfen für die Luftfahrt diskutiert werden und in den USA bereits in Milliardenhöhe zugesagt worden sind. Diese Hilfen können aber nur helfen, in der Branche ein Fiasko zu verhindern, wenn das Schlimmste schon überstanden ist und nur eine Zeit der Angst und Unsicherheit überbrückt werden muss. Falls der Konflikt zwischen den USA, ihren Verbündeten und dem internationalen Terror eskaliert und in einem womöglich jahrelangen Krieg mündet, werden solche Überlegungen zur Makulatur. Dann drohen jenseits staatlicher Stützungsmöglichkeiten massiv steigende Ölpreise, eine Verteuerung von Versicherungspolicen und der Zusammenbruch der Luftfahrtbranche.

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