Luftfahrtindustrie : Teure Triebwerke

Defekte A 380 belasten sowohl den Hersteller Rolls-Royce als auch Airbus. Bei EADS ist man inzwischen zurückhaltend mit Prognosen für die Einführung des neuen Langstreckenjets A 350.

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Trent 900 heißt der Typ des Triebwerks von Rolls-Royce, das vor acht Tagen in einer Maschine von Quantas Feuer gefangen hatte.
Trent 900 heißt der Typ des Triebwerks von Rolls-Royce, das vor acht Tagen in einer Maschine von Quantas Feuer gefangen hatte.Foto: dapd

Berlin - Die technischen Unzulänglichkeiten beim A 380 belasten sowohl EADS als auch Rolls-Royce. Anlässlich der Veröffentlichung aktueller Geschäftszahlen sagte Rolls-Royce-Chef John Rose am Freitag in London, die Probleme mit dem Triebwerk würden „Einfluss auf das finanzielle Abschneiden der Gruppe haben“. Beim Airbus-Konzern EADS hieß es, die Pannen der jüngsten Zeit könnten womöglich Auswirkungen auf die Auslieferungen des Großraumflugzeugs im kommenden Jahr haben. „Ich weiß aber nicht, wie gravierend das sein könnte“, sagte Airbus-Chef Tom Enders in Paris. Das laufende Jahr wird die deutsch-französische EADS voraussichtlich erfolgreich abschließen, die Gewinnprognose wurde um 100 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro nach oben korrigiert.

Vor acht Tagen hatte ein A 380 der australischen Fluggesellschaft Quantas notlanden müssen, nachdem Öl in einem der vier Triebwerke in Brand geraten war. In dem Flugzeug habe ein „bestimmtes Bauteil“ im Triebwerk versagt, wodurch der Brand in der Turbine ausgelöst worden sei, teilte Rolls-Royce am Freitag mit. Bei Untersuchungen sei festgestellt worden, dass das mögliche Problem nur bei Triebwerken des einen Typs Trent 900 auftreten könne, erklärte Rolls-Royce weiter. Der durch das defekte Bauteil ausgelöste Ölbrand in dem Triebwerk des Qantas-Airbus habe dafür gesorgt, dass sich ein Turbinenrad im Inneren des Motors gelöst habe. Der britische Hersteller kündigte an, das fragliche Teil in Flugzeugtriebwerken auszutauschen.

Das problematische Triebwerk wird eingesetzt bei den A 380 von Quantas, der Lufthansa und Singapore Airlines. Bei der Lufthansa gab es bislang keine Probleme, derzeit läuft eine Inspektion der Triebwerke. Der A 380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Die deutlich verspätete Auslieferung der Maschine an die Fluggesellschaften belastet EADS noch immer. Entsprechend zurückhaltend sind die Manager mit Prognosen für die Einführung des neuen Langstreckenjets A 350 XWB. „Wir sind vorsichtiger geworden“, sagte EADS-Finanzchef Hans Peter Ring in Paris.

Das Konkurrenzprodukt zum Boeing-Dreamliner soll ab der zweiten Jahreshälfte 2013 an die Kunden übergeben werden. Zuvor war von Mitte 2013 die Rede. „Das macht keinen großen Unterschied, gibt uns aber ein bisschen mehr Spielraum beim Zeitplan“, erläuterte Ring. Airbus bestätigte unterdessen Probleme mit den Bildschirmen im Cockpit des A 320. „Das Problem ist bekannt und wir haben an einer Lösung gearbeitet. Die wird in Kürze als Empfehlung herausgegeben“, erklärte ein Airbussprecher.

Insgesamt profitiert Airbus in diesem Jahr von der Erholung der Luftfahrtbranche. Deshalb seien in diesem Jahr bis zu 500 Flugzeugbestellungen möglich, das sind gut 100 mehr als ursprünglich angepeilt. An die Kunden will der Flugzeugbauer etwas mehr als 500 Maschinen übergeben - auch das ist ein Rekord.

Für das dritte Quartal wies EADS ein Plus beim operativen Gewinn von 88 Prozent auf 378 Millionen Euro aus. Unterm Strich blieben dann 13 Millionen Euro übrig, nach einem Verlust von 87 Millionen im Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro.

Ein Wachstum von vier bis fünf Prozent erwartet Rolls-Royce. In den ersten sechs Monaten kam der Britische Konzern auf einen Gewinn von gut 500 Millionen Euro, der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Knapp zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf die Luftfahrt, der Rest verteilt sich auf die Sparten Energie, Nukleartechnik und Schifffahrt. Trotz der Triebwerksprobleme „erwarten wir stabile Gewinne“, sagte Konzernchef Rose.

Mit rund 2000 Mitarbeitern in Dahlewitz gehört Rolls-Royce zu den größten industriellen Arbeitgebern in Berlin-Brandenburg. Erst im Mai war ein neues, 65 Millionen Euro teures Testzentrum in der Fabrik im Süden Berlins in Betrieb genommen worden. In Dahlewitz produziert Rolls-Royce derzeit sechs verschiedene Triebwerkstypen. mit rtr

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