Luftfahrtkonzern EADS : Höhere Gewalt und hauseigener Problemfall

Der Luftfahrtkonzern EADS leidet unter dem schwachen Dollar. Größtes Problem bleibt aber der Militärtransporter Airbus A400M.

Kevin P. Hoffmann
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Berlin - Auch Manager sind machtlos gegenüber höherer Gewalt. In diesem Sinne betonte Louis Gallois am Dienstag zunächst die äußeren Einflüsse, um das eher schlechte Ergebnis zu erklären: „Es sind die steigenden Spritkosten und der anhaltend schwache Dollar“, sagte der EADS-Chef gleich zu Beginn seiner Präsentation der Halbjahreszahlen. Dann kam er zwar schnell zum größten hauseigenen Problemfall, dem Militärtransporter Airbus A400M, schob aber auch hier die Verantwortung weit von sich. Er appellierte an die Vernunft der Politik: „Der A400M kann nur ein Erfolg werden, wenn wir ein vernünftiges Bezahlmodell bekommen“, sagte Gallois.

Diese Forderung wiederholen er und Thomas Enders, Chef der größten EADS-Sparte Airbus, seit Monaten immer wieder: Die sieben Abnehmerstaaten müssten einen deutlich größeren Anteil der Entwicklungskosten übernehmen und mehr Risiken tragen. Vergangenen Freitag erst war EADS in dem Punkt einen Schritt vorangekommen, als die Verteidigungsminister von Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Belgien, Luxemburg und der Türkei beschlossen, vorerst an der A400M-Bestellung festzuhalten – trotz der dreijährigen Verzögerung bisher. Bis Ende des Jahres soll jetzt nachverhandelt werden.

Im ersten Halbjahr 2009 musste EADS allein wegen des Problemfliegers A400M 191 Millionen Euro abschreiben. Seit Anfang 2008 summieren sich die Ausfälle wegen des Transporters auf fast 900 Millionen. Und: „In den kommenden Perioden wird das A400M-Programm je nach Entwicklungsfortschritt und Verhandlungsausgang möglicherweise noch wesentliche Ergebnisbelastungen verursachen“, teilte der Konzern jetzt schriftlich mit.

Insgesamt fiel der operative Gewinn der Gesamtkonzerns von Januar bis Ende Juni um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 888 Millionen Euro. Netto blieb ein Gewinn von 387 Millionen, das waren sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz legte im ersten Halbjahr leicht um zwei Prozent auf 20,2 Milliarden Euro zu. Für die zweite Jahreshälfte erwartet EADS, dass das operative Ergebnis weiter sinkt, aber insgesamt positiv bleibt. Beim Umsatz rechnet EADS mit einem Ergebnis auf dem Niveau des Gesamtjahres 2008 von etwa 43 Milliarden Euro – auf Basis eines Dollarkurses von 1,39 Euro.

Das Euro-Dollar-Verhältnis hat für EADS eine besonders große Bedeutung, da Flugzeuge meist in Dollar bezahlt werden. War ein Dollar im März noch 0,80 Euro wert, sind es jetzt nur noch 0,70 Euro. Je schwächer der Dollar wird, desto weniger erlöst der Konzern, der ja im Euro-Raum produziert. Davon profitiert US-Konkurrent Boeing. Ausgerechnet gestern, als Gallois wieder auf dieses Problem hinwies, konnte Boing in Seattle den Eingang eines Großauftrags durch die Turkish Airlines vermelden. Nachdem die Türken bereits im April fünf Langstreckenflieger vom Typ 777-300 ER geordert hatten, bestellten sie jetzt sieben weitere Maschinen nach. Der Listenpreis dieser Flieger liege zusammen bei 1,9 Milliarden Dollar, teilte Boeing mit. Das entspricht aktuell einem Wert von 1,33 Milliarden Euro. Im März hätte Turkish Airlines umgerechnet noch 1,5 Milliarden Euro zahlen müssen. Je mehr der Euro zum Dollar zulegt, desto öfter dürften solche Aufträge an Boeing gehen.

Hoffnung soll eigentlich Airbus’ neue weltgrößte Passagiermaschine A380 machen. Doch auch da steigen die Produktionskosten. Ärger machte in dem Zusammenhang am Dienstag zudem die Pariser Börsenaufsicht AMF, die ihren Ermittlungsbericht gegen sieben einst führende EADS-Manager vorlegte – darunter Ex-Konzernchef Noël Forgeard und der einstige Finanzvorstand Andreas Sperl. Sie hätten sich des Insiderhandels schuldig gemacht: Mit Wissen um weitere Verzögerungen beim A380 sollen sie große Aktienpakete verkauft haben, bevor sie die Öffentlichkeit informierten.

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