Luftfahrtkonzern : Lufthansa will nur noch fliegen

Nach den Berliner Flughäfen will sich auch die Lufthansa von ihren Anteilen am Abfertigungsunternehmen Globe Ground Berlin mit rund 1500 Mitarbeitern trennen. Das Catering wird ebenfalls umgebaut.

Rainer W. During

BerlinNach den Berliner Flughäfen will sich auch die Lufthansa von ihren Anteilen am Abfertigungsunternehmen Globe Ground Berlin mit rund 1500 Mitarbeitern trennen. Auch im Cateringbereich macht der Luftfahrtkonzern einen Rückzieher. Nicht nur soll die Großküche in Tegel mit 154 Beschäftigten geschlossen werden, sondern laut Gewerkschaft sind weitere Standorte der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs gefährdet.

„Wir sind nach intensiver Analyse zu dem Schluss gekommen, den Verkauf unseres 49-prozentigen Anteils an Globe Ground Berlin ebenfalls in Erwägung zu ziehen“, sagt Konzernsprecherin Stefanie Stotz. Zuvor hatten bereits die Berliner Flughäfen den Verkauf ihres 51-prozentigen Anteils an der Abfertigung in Schönefeld und Tegel beschlossen.

Die weltweit aktive Globe-Ground- Gruppe war von Lufthansa bereits 2001 an das französische Unternehmen Penauille Polyservice verkauft und dort mit dem Abfertigungsunternehmen Serviceair fusioniert worden. Später hatte die Lufthansa dann ihr Rückkaufsrecht für die Anteile an Globe Ground Berlin genutzt. Doch weder die Konzepte der Geschäftsleitung noch die der Gewerkschaft führten zum Erfolg. „Wir glauben, dass Globe Ground Berlin langfristig bessere Aussichten in den Händen eines strategischen Investors hat“, sagt Stotz nun.

Das könnte sich als richtig herausstellen. „Berlin ist ein wichtiger Markt, ich glaube, das Interesse wird groß sein“, sagt zum Beispiel Christian Stoschek. Der Inhaber der Beratungsfirma Aviationscout war selbst Hauptabteilungsleiter bei dem Berliner Unternehmen und hat anschließend den belgischen Konkurrenten Aviapartner auf dem deutschen Markt etabliert. Potenzielle Käufer seien sowohl die großen Abfertigungskonzerne als auch reine Finanzinvestoren, meint Stoschek. Wichtig sei, dass es gelinge, das Unternehmen zu sanieren und zu konsolidieren. Dann habe Globe Ground Berlin auch bei der für 2014 anstehenden europaweiten Neuausschreibung der Bodenverkehrsdienste am künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) als örtliches Unternehmen mit hoher Dienstleistungsqualität gute Chancen.

Auch beim Catering zieht sich die Lufthansa offenbar schrittweise zurück. Die weltweit tätige Sparte LSG Sky Chefs trug im vergangenen Jahr mit 50 Millionen Euro zum Konzerngewinn bei. Doch die Großküche in Tegel hat dagegen 1,7 Millionen Verlust gemacht, sagt Firmensprecherin Josefine Corsten. Seit 2002 beträgt ist schon ein Defizit von rund zehn Millionen Euro aufgelaufen. Deshalb soll zum 31. August Schluss sein. Einem Teil der Betroffenen werden Jobs an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt am Main und München angeboten. Viele ältere Betroffene sind aber nicht zum Umzug bereit, wie Betriebsratschef Donato Buchholz berichtet. Rund 40 der 154 Mitarbeiter haben bereits Vorruhestand, Altersteilzeit oder Auflösungsverträge akzeptiert. Es ist nicht der erste Umbruch für die Beschäftigten: Seit 2005 wurden bereits rund 90 Jobs gestrichen.

Gegenwärtig werden im Betrieb noch rund 2500 bis 3000 Bordmahlzeiten pro Tag produziert. Neben der Lufthansa gehören auch die US-Gesellschaften Continental und Delta sowie Air France, TUIfly sowie die Regierungsstaffel der Bundeswehr zu den Kunden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Minister werden also auf Dienstflügen von der LSG verköstigt, die in Tegel mit drei Wettbewerbern konkurriert, die offenbar deutlich schlechter zahlen. Betriebsrat Buchholz wirft dem Konzern vor, die Misere selbst verursacht zu haben. Als Hauptkunde habe die Lufthansa selbst für eine Halbierung des Umsatzes seit 2001 gesorgt, indem sie Berlin-Flüge eingestellt und den Service verändert habe. Zuletzt sei sogar das lukrative Catering für die Frankfurt-Strecke zur dortigen Großküche verlagert worden.

Ein weiterer Betrieb von LSG Sky Chefs versorgt in Schönefeld mit 46 Mitarbeitern unter anderem die Flüge von Easyjet und Germanwings. Auch hier gibt es laut Betriebsrat Pläne, die operativen Bereiche auszulagern. „Wir gehen davon aus, dass Berlin kein Einzelfall sein wird“, sagt Gerold Schaub von Verdi. In Stuttgart und Düsseldorf zeichne sich Ähnliches ab. Auch die Standorte Hamburg und Nürnberg gälten als gefährdet. Doch bisher nennt Firmensprecherin Corsten diese Angaben „reine Spekulationen der Gewerkschaft“.

Für Christian Götz, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, ist das Verhalten von LSG Sky Chefs „keine große Überraschung“. Es entspreche der Politik von Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber, den Konzern auf das Kerngeschäft auszurichten. Rainer W. During

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