Luftfahrtmesse : Merkel auf der Ila: Streit über den Kurs

Kanzlerin Merkel eilt über die Luftfahrtmesse. Die Branche ist sauer wegen der geplanten Flugabgabe.

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9.6.2010: Die Internationale Luft-und Raumfahrtausstellung (Ila) lockt am Flughafen Schönefeld mit dem größten Passagierflugzeug der Welt, dem Airbus A380.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
11.06.2010 12:229.6.2010: Die Internationale Luft-und Raumfahrtausstellung (Ila) lockt am Flughafen Schönefeld mit dem größten Passagierflugzeug...

Schönefeld - Wenigstens auf den Fotos soll es so aussehen, als sei alles bestens: Auf ihrem Eröffnungsrundgang auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (Ila) steht die Kanzlerin beim neuen Riesenairbus A 380 der Lufthansa. Man drückt ihr ein armlanges Modell des Fliegers in die Hand, sie aber hält es mit der Nase nach unten den mehr als 100 Fotografen und Kameraleuten entgegen. Das Lächeln des groß gewachsenen Lufthansa-Chefs Wolfgang Mayrhuber gefriert. Flugs greift er Angela Merkel über die Schulter und zieht die Nase des Modellfliegers hoch: Kanzlerin, Lufthansa, Deutschland – alle im Aufwind, so die Fotobotschaft. Doch sie trügt.

Der Eröffnungstag der Ila war zugleich Tag eins nach dem „schwarzen Tag für die deutsche Luftfahrt“, wie es eine Lufthansa-Sprecherin ausdrückt. Am Montag hatte die Kanzlerin nach der Sparklausur mitgeteilt, dass Deutschland eine Abgabe für jeden abfliegenden Passagier verlangen will. Der nationale Alleingang löst bei Airlines und Flughafenverbänden Panik aus. Steigen Passagiere nun um auf die Bahn, oder fliegen sie künftig aus Frankreich, Belgien oder Polen ab?

Airbus-Chef Tom Enders, der als Präsident des gastgebenden Industrieverbandes BDLI die Kanzlerin auf ihrem gut einstündigen Rundgang begleitet, spricht das Krisenthema zuerst an, versteckt es aber: „Wir freuen uns sehr, dass Sie trotz der schwierigen Lage die Zeit gefunden haben, uns hier zu besuchen.“ Er spricht von „mutigen Beschlüssen“: Erfreulich sei, dass weiter in Forschung und Bildung investiert werde. „Nicht erfreulich ist der Beschluss mit der Flugabgabe, aber da wird es bei der Ausgestaltung des Gesetzes sicher noch Diskussionen geben.“ Er wolle aber jetzt nicht damit anfangen. Die Kanzlerin verzieht keine Miene.

Bei ihrer kurzen Ansprache lässt sie das Thema aus. Es sei ihrer Regierung wichtig gewesen, den Schwerpunkt auf Forschung zu legen. Und das Flugzeug, vor dem man stehe, sei gerade noch in Südafrika gewesen – „mit Menschen an Bord, an die wir große Erwartungen haben“. Gemeint ist die DFB-Elf, die mit dem A 380 ins WM-Land flog.

Dann lässt sie den Lufthansa-Chef bei seinem Riesenflieger stehen und ziehtmit ihrem Tross weiter. Drei bis vier Minuten in der Raumfahrthalle, zwei Minuten bei der Firma Liebherr, die Fahrwerke fertigt, dann zum Kabinenausrüster Diehl und in den französischen Pavillon. Beim Triebwerkshersteller Rolls-Royce, der in Dahlewitz südlich von Berlin fertigt, berührt Merkel die Schaufeln eines Triebwerks.

Erst am Schluss nimmt sie sich Zeit. Ausgerechnet der Lufthansa-Konkurrent Emirates hat neben seinem gerade ausgelieferten zehnten A 380 ein Podium aufgebaut. Darauf sitzen Enders und Emirates-Chef Scheich Ahmed Bin Saeed Al Maktoum, die einen Rekordvertrag unterzeichnen (siehe nebenstehenden Text). Die Kanzlerin steht entspannt dahinter und lächelt. Dann steigt sie die Emirates-Gangway hoch, wofür bei der Lufthansa keine Zeit war. Fast eine Viertelstunde bleibt sie an Bord – und verpasst so sogar die Flugmanöver, die der Prototyp des heftig umstrittenen Militärairbus A 400 M extra zu ihren Ehren fliegt.

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