Luftfracht : 1000 neue Jobs für Leipzig

Lufthansa und Post-Tochter DHL gründen gemeinsame Luftfrachtfirma mit elf neuen Flugzeugen. Das Unternehmen will bis 2011 in Leipzig insgesamt elf neue Frachtjets vom Typ Boeing 777 stationieren.

Leipzig
Vorhang auf. Das Logo der neuen Frachtfluggesellschaft Aerologic wird präsentiert. -Foto: dpa

Frankfurt am Main - Die Post-Tochter DHL und die Frachtsparte der Lufthansa wollen eine neue Transportgesellschaft gründen und damit 400 neue Stellen am Standort Leipzig schaffen. Das sagte Charles Graham, Chef von DHL Aviation, am Montag in Frankfurt am Main. Im Umfeld der neuen Firma sollen weitere 600 Arbeitsplätze entstehen. Die Unternehmen versprechen sich von der Zusammenarbeit niedrigere Kosten, mehr Flexibilität, eine bessere Auslastung und kürzere Transportzeiten.

Das Projekt war bereits im vergangenen Herbst grundsätzlich beschlossen worden. Schwerpunkt von Aerologic sollen Transporte zwischen Europa, Nordamerika und Asien sein. Der Start ist für April 2009 geplant. Bis zum Jahr 2011 will das Gemeinschaftsunternehmen in Leipzig insgesamt elf neue Frachtjets vom Typ Boeing 777 stationieren. Zuvor will die Lufthansa eine Zeit lang ältere Jets vom Typ MD 11 einsetzen, die bislang in Frankfurt stationiert sind. Sukzessive sollen dann 2009 und 2010 insgesamt acht Boeing 777 zum Listenpreis von zwei Milliarden Dollar im Einsatz sein. Eigentümer ist die Deutsche Verkehrsbank, von der Aerologic die Jets least.

Die neu entwickelten Fracht-Flugzeuge hätten eine größere Reichweite als die bisherigen Maschinen von DHL und LH Cargo, seien flexibler einsetzbar, verbrauchten rund 20 Prozent weniger Sprit und seien deutlich leiser, versicherte DHL-Chef Charles Graham.

Damit wird Aerologic der viertgrößte Luftfrachtflieger in Europa. Als Umsatz sind zunächst pro Jahr rund 550 Millionen Euro angepeilt. 2011 solle das Unternehmen mit der vollen Kapazität bereits profitabel sein, sagte DHL-Chef Graham.Über die genauen Ziele verriet er jedoch nichts. Das Grundkapital von 50 Millionen Euro teilen sich die beiden Partner. Die Auslastung soll von Beginn an hoch sein, hoffen die Manager. Derzeit beginnt das neue Unternehmen mit der Anwerbung und Einstellung der ersten Piloten, im Februar wird das Büro am Flughafen in Leipzig eröffnet. Gesucht würden 200 Flugzeugführer, erklärten die Manager.

Vorteil des Standortes ist nach Angaben von Carsten Spohr, dem Vorstandschef von Lufthansa Cargo, die Nähe zu den aufstrebenden Märkten in Osteuropa. Vor allem reizt Lufthansa und DHL die Möglichkeit, rund um die Uhr ohne Nachtflugverbot fliegen zu können. Dies gilt in ihren Augen als großes Manko am Frankfurter Flughafen. Zudem baut DHL gerade in Leipzig sein neues europäisches Frachtverteilzentrum. Gleichwohl werde der Hauptstandort für die Frachttochter der Lufthansa durch das Aerologic-Projekt nicht beeinträchtigt. „Es gibt keine Einschnitte“, versicherte Spohr. „Die neue Aerologic ergänzt das bisherige Angebot von DHL und LH Cargo.“ Eine Kannibalisierung werde nicht stattfinden, betonte Spohr. Der Standort Frankfurt am Main werde mittelfristig sogar wachsen. Seine Frachtkapazitäten hat Aerologic bereits im Voraus an die einzigen Kunden Lufthansa Cargo und DHL verkauft. 60 Prozent entfallen auf DHL, 40 Prozent auf Lufthansa Cargo. Damit ist der Umsatz bereits gesichert. Allerdings müssen die Mutterunternehmen die Kapazitäten erst noch an Endkunden vermarkten.

Die Anleger honorierten die Meldung nicht. In einem schrumpfenden Markt verlor die Aktie der DHL-Mutter Deutsche Post bis zum Nachmittag mehr als 1,5 Prozent, zum Börsenschluss erholte sie sich jedoch wieder auf 21,90 Euro (minus 0,5 Prozent). Die Lufthansa schloss bei 16,14 Euro (minus 0,49 Prozent).

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