Wirtschaft : Lufthansa: 2001 wird ein schwieriges Jahr

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Die Deutsche Lufthansa wird ihr gutes Vorjahresergebnis von zwei Milliarden Euro im operativen Geschäft in diesem Jahr kaum wieder erreichen. Dies scheint nach Einschätzung von Analysten nach nur vier Monaten dieses Geschäftsjahres bereits festzustehen. Dabei spielt der aktuelle Piloten-Streik nur eine Rolle. Wie andere Fluggesellschaften kämpft Lufthansa mit den Folgen der konjunkturellen Abkühlung und den anhaltend hohen Treibstoffpreisen.

Der Piloten-Streik trifft das Unternehmen in dieser schwierigen Situation besonders hart. Allerdings glauben Frankfurter Airline-Analysten, dass nur ein langwieriger Streik den Carrier in ernsthafte Schwierigkeiten bringen könnte. In eine neue Krise dürfte Lufthansa demnach nicht schlittern. Das Unternehmen gilt als solide aufgestellt. Außerdem ist die Lufthansa eines der führenden Mitglieder der Star Allianz, des weltweit größten und bislang erfolgreichsten Bündnisses von Fluggesellschaften.

Fachleute wollen den ersten Piloten-Streik in der Geschichte der Lufthansa deshalb nicht überdramatisieren. Doch unabhängig davon, wie lange der Ausstand dauert, die Kosten für das Unternehmen werden sich spürbar erhöhen. Denn am Ende wird eine Vereinbarung stehen, die den 4200 Piloten deutlich höhere Gehälter bringt. Die Kosten für jeden Streiktag beziffert Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler und profunder Kenner der Branche, mit etwa 20 Millionen Euro. Kommt dazu am Ende eine Erhöhung der Gehälter der Flugzeugführer um 30 Prozent, würden die Personalkosten der Lufthansa um rund 200 Millionen Euro pro Jahr steigen. Und dies auf Dauer. Dazu kämen noch Regelungen für Bonus-Zahlungen und möglicherweise für die Altersvorsorge. "Damit besteht kein Zweifel: Die Lufthansa wird in diesem Jahr zurückgeworfen", sagt Pieper. Einbrechen werde das Geschäft aber nicht. Vor Steuern erwartet der Experte immer noch ein Ergebnis von 1,3 Milliarden Euro. Damit würde sich die Lufthansa erheblich besser stellen als die meisten ihrer Wettbewerber.

Allerdings wäre auch dieses Ergebnis noch recht ambitioniert. Zwar ist der Umsatz im ersten Quartal um 15 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro gestiegen. Aber der Gewinn der Airline fiel um 94 Millionen auf nur noch fünf Millionen Euro zurück. Die Branche fliegt schwierigeren Zeiten entgegen. Zwar war die Auslastung der Lufthansa-Maschinen in den ersten drei Monaten gut, aber sie ist sukzessive zurückgegangen. Nicht nur Pieper rechnet mit schwächeren Ergebnissen im zweiten und dritten Quartal.

Bedenkliche Signale aus USA

Allerdings ringt die Lufthansa nicht nur mit den Kosten des Streiks, einer höheren Entlohnung der Piloten und der schwächeren Konjunktur. Auch die hohen und möglicherweise weiter steigenden Treibstoffpreise machen es für Lufthansa-Chef Jürgen Weber und Finanzvorstand Karl-Dietrich Kley extrem schwer, in diesem Jahr wieder das gute Ergebnis des Vorjahres zu erreichen. Bedenkliche Signale kommen aus den USA, dem für die Lufthansa wichtigsten Langstrecken-Markt. Die US-Gesellschaften erleben nach Ansicht von Experten derzeit ihre schwerste Krise seit vielen Jahren. Seit 1993 mussten sie zum ersten Mal wieder Quartalsverluste hinnehmen. Während die US- Airlines im ersten Vierteljahr 2000 einen Gesamtgewinn von 400 Millionen Dollar eingeflogen hatten, gab es im ersten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 500 Millionen Dollar.

Beobachter halten es gleichzeitig für problematisch, dass sich Lufthansa gerade in diesem Jahr etliche neue Jets zulegt, die möglicherweise doch nicht ausgelastet werden können und damit die Kosten zusätzlich in die Höhe treiben. Schwer in Zahlen beziffern lässt sich allerdings der Image-Schaden für die Lufthansa. Viele Kunden werden verärgert. Am Freitag verpasste der populäre TV-Moderator Günther Jauch einen auch für die Öffentlichkeit wichtigen Termin bei der Bundesbank in Frankfurt. In Berlin hatte ihm die Lufthansa nachdrücklich versichert, er brauche nicht auf die Bahn umzusteigen. Doch der Flug fiel aus, Jauch verpasste den Termin und saß mittags immer noch in Berlin. So etwas kostet nicht nur Geld, sondern sorgt auch für Ärger - nicht nur bei Promis.

Trotzdem: Im Vergleich zu anderen Gesellschaften steht die Lufthansa gut da. Vorstandschef Jürgen Weber hat in den letzten Jahren einen Konzern gezimmert, der auf vielen festen Beinen steht und deren Ableger allesamt schwarze Zahlen liefern. Beobachter verweisen unter anderem auf die Lufthansa Technik, die Lufthansa-Catering Tochter LSG oder die C & N-Touristic AG, die alle in ihren Feldern zu den führenden Unternehmen gehören. Auch die von Weber maßgeblich mit initiierte Star Allianz stärkt Lufthansa den Rücken, drückt die Kosten und liefert Jahr für Jahr einen Ergebnisbeitrag in dreistelliger Millionenhöhe. Im vergangenen Jahr waren es 250 Millionen Euro. Schließlich hat die Lufthansa die Personalkosten in den letzten Jahren nach unten gefahren. Mit einer Quote von rund 22 Prozent liegt sie mittlerweile im Spitzenfeld der Branche. Zu Zeiten der Krise Anfang der neunziger Jahre lag sie bei 35 Prozent. Jetzt wird diese Ziffer allerdings merklich steigen.

Weber weiß um die schwierige Situation und warnt davor, dass die Piloten mit einer drastischen Erhöhung "eine Lawine" lostreten könnten. Er weiß aber auch, dass die Flugzeugführer aus einer komfortablen Position heraus agieren: Nicht nur bei der Lufthansa, weltweit sind Piloten knapp. Deshalb wird der Lufthansa-Chef Zugeständnisse machen müssen, und deshalb werden die Kosten bei der Lufthansa steigen. Dass sich die Börsianer am Freitag trotzdem für die Lufthansa-Aktie erwärmen konnten, die Kurse mit einem Plus von fast fünf Prozent zu den absoluten Tagesgewinner zählten, hat einen einfachen Grund: Den Streik hatten die Anleger erwartet, jetzt herrschte Erleichterung, dass die Unsicherheit vom Tisch war.

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