Wirtschaft : Lufthansa-Aktionäre kritisieren Dividende

Trotz erwartetem Rekordergebnis nur 50 Pfennig pro Aktie

KÖLN (rtr).Aufgrund höherer Passagierzahlen, gesunkener Treibstoffpreise und Einsparungen erwartet die Lufthansa AG (LH) für 1997 einen Gewinn auf Rekordniveau.Das laufende Geschäftsjahr könne an das Rekordjahr 1995 anknüpfen, sagte Vorstandschef Jürgen Weber am Donnerstag auf der Hauptversammlung.Damals hatte die LH vor Steuern und Sondererträgen 756 Mill.DM verdient.Das Halbjahresergebnis werde nach dem guten Start höher ausfallen als in den Vorjahren.Falls der Trend anhalte, könne auch der Frachtbereich 1997 in die Gewinnzone kommen.In der Sparte Touristik orientiert sich die Lufthansa um.
Die Lufthansa wolle die Kooperation zwischen ihrem Ferienflieger Condor und dem zum Karstadt-Konzern gehördenden Touristikunternehmen NUR ausbauen, sagte Weber.Zudem trenne sich die Lufthansa von ihrer 18prozentigen Beteiligung an Hapag Lloyd.
Das Barometer der Lufthansa stehe zur Zeit auf Hoch, sagte Weber.Die Fluggastzahlen stiegen an, insbesondere auf den Nordatlantik- und Asien-Routen.Die Treibstoffpreise seien inzwischen gefallen und dürften in diesem Jahr nicht wieder steigen.Auch mit dem Kostensenkungsprogramm sei man auf gutem Weg, das bis zum Jahr 2001 angepeilte Einsparvolumen von 1,5 Mrd.DM zu erzielen.Die Allianzen mit anderen Fluggesellschaften lieferten hohe Ergebnisbeiträge und verschafften der Lufthansa einen großen Vorsprung, sagte Weber.Die Gründung der Star-Allianz Mitte Mai habe das erste umfassende Bündnis in der Luftverkehrsindustrie geschaffen.
Aktionärsvertreter äußerten Kritik an der Dividendenentwicklung."Machen Sie aus dem Dividenden-Starlet einen Star.Wir wollen nicht erst im nächsten Jahrtausend mehr als 50 Pfennig Dividende", sagte Hans Martin Buhlmann von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre.Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz nannte die für 1996 vorgeschlagene Dividende von 50 Pfennigen "alles andere als umwerfend".Immerhin habe Lufthansa aber darauf verzichtet, trotz des 1996 gesunkenen Gewinns die Dividende zu senken.
Weber verteidigte den Vorschlag, den Vorstand per Satzung zu ermächtigen, mehr als 50 Prozent des Jahresüberschusses in die Gewinnrücklagen einzustellen, wenn eine Mindestdividende von zehn Prozent des Aktiennennwertes ausgeschüttet wird.Die LH müsse Rücklagen bilden, um Aktien zurückkaufen zu können, sollte der Anteil ausländischer Aktionäre an der Lufthansa nach der Restprivatisierung in diesem Jahr 50 Prozent überschreiten.
Deutsche Aktionäre müssen auch nach der Restprivatisierung Mehrheitseigner der Lufthansa bleiben, weil die Gesellschaft sonst viele Streckenrechte verlieren würde.Dies ist auch der Grund, warum die Inhaberaktien der Lufthansa in vinkulierte Namensaktien umgewandelt werden sollen.Dies sind Aktien, die nur mit Zustimmung der Firma verkauft werden dürfen.

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