Wirtschaft : Lufthansa: Auch Lotsen machen Druck

mo/dr

Der Pilotenstreik bei der Deutschen Lufthansa führt zu erheblicher Unruhe in den Deutschen Gewerkschaften. Zwar versucht man allerorten zu beschwichtigen, aber in Gewerkschaftskreisen ist eine Diskussion über die Akzeptanz "berufsständischer Sparteninteressen" entflammt. Mit Blick auf die Verhandlungsposition der Vereinigung Cockpit hatte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel die rücksichtslose Durchsetzung von Partikularinteressen als Gefahr für den solidarischen Flächentarifvertrag bezeichnet.

Im Hause der Lufthansa zeichnet sich bereits ein neuer Konflikt mit dem Kabinenpersonal ab. Die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (Ufo) erwägt, den Tarifvertrag nachzuverhandeln, den Verdi im März abgeschlossen hat. Verdi hatte für das Boden- und Kabinenpersonal eine Gehaltserhöhung von (alles in allem) rund fünf Prozent erstritten - mehr als die zwei Prozent, die zurzeit in den Verhandlungsrunden für Banken und Versicherungen im Gespräch sind.

Bislang lehnt die Deutsche Lufhansa Ufo allerdings als Tarifpartner ab. Nur eine Minderheit des Personals sei in der Ufo organisiert, erklärte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow auf Anfrage. Nach Angaben von Ufo-Geschäftsführer Uwe Hien sind zurzeit 3000 der insgesamt 13 000 Stewardessen und Stewards bei Lufthansa organisiert. Bei der Vereinigung Cockpit (VC) ist der Organisationsgrad wesentlich höher. Hier sind 80 Prozent der Lufthansa-, Condor- und Cargo-Piloten organisiert. Vor zwei Jahren wurde VC formell als Tarifpartner von Lufthansa anerkannt. Die Piloten hatten 1999 die VC gegründet, weil sie befürchteten in Zukunft von der Großgewerkschaft Verdi nicht mehr schlagkräftig genug vertreten zu werden.

Verdi seinerseits versucht bei den derzeit laufenden Verhandlungen über einen Rahmentarifvertrag für das Boden- und Kabinenpersonal Punkte zu machen. Bei diesen Verhandlungen geht es unter anderem um Einstiegsgehälter und Zulagen. Sollten die Piloten bei ihren hohen Forderungen bleiben, müsse Verdi in diesen Verhandlungen vermutlich auch höhere Forderungen stellen, sagte Ingo Schwope, Sprecher der Gewerkschaft in Hamburg. Weitere Absetzbewegungen einzelner Berufsgruppen sieht Schwope aber nicht. Ganz so sicher ist sich da Klaus Eger, bei DAG/Verdi zuständig für das Tarifrecht der Fluglotsen, nicht. Er bestätigte auf Anfrage, daß es auch bei dieser Berufsgruppe brodelt. Die Mitarbeiter der Deutschen Flugsicherung (DFS) hätten bereits überlegt, eine eigenständige Vertretung zu gründen, sagt Eger. Konkrete Schritte seien aber noch nicht unternommen worden.

Auch Gerda Seibert, Pressesprecherin der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, demonstriert Gelassenheit. Rund 80 Prozent aller deutschen Lokführer sind in der GdL organisiert. Für das laufende Jahr haben die Lokführer eine Lohnerhöhung von zwei Prozent, für das kommende Jahr eine Erhöhung von 2,4 Prozent ausgehandelt. Rufe nach Nachverhandlungen oder Absetzbewegungung, etwa der ICE-Lokführer, gebe es nicht, sagte Seibert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben