Wirtschaft : Lufthansa-Betriebsrat setzt auf staatliche Millionen-Hilfen

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Vor dem Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf der Betriebsratssitzung der Lufthansa am Montag lagen bereits die Forderungen an ihn offen. Der Vorsitzende des Lufthansa-Konzernbetriebsrates Franz-Eduard Macht rief vor dem Treffen in Frankfurt am Main die Bundesregierung zu finanzieller Unterstützung nach den Ausfällen im internationalen Luftverkehr auf. Die Einbußen nach den Terroranschlägen von New York beliefen sich auf 183 Millionen Euro (356 Millionen Mark). "Diese 183 Millionen Euro sind von Brüssel aus genehmigt worden, dass die nationalen Regierungen dieses Geld entsprechend auszahlen können. Und das verlangen wir vom Kanzler", sagte Macht im Deutschland-Radio Berlin.

Er stieß mit seinen Äußerungen jedoch auf Unverständnis bei der Lufthansa. Noch liege keine endgültige Entscheidung aus Brüssel vor, sagte eine Firmensprecherin. Macht schränkte jedoch auch selber ein, ungeklärt sei bislang, ob der Anspruch auf die volle Summe oder lediglich für jene vier Tage bestehe, in denen der nordamerikanische Luftraum geschlossen war. Diesen Betrag bezifferte Macht auf 70 bis 80 Millionen Euro. An der Finanzierung der höheren Aufwendungen bei der Flugsicherung müsse der Bund ebenfalls beteiligt werden, sagte Macht.

Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) kündigte unterdessen an, sich ihre Anerkennung als Tarifpartner der Lufthansa im Zweifel erstreiken zu wollen. Bereits im Oktober habe man dem zuständigen Arbeitgeberverband der Lufthansa in Hamburg schriftlich davon in Kenntnis gesetzt, dass man Tarifergebnisse eventuell nicht akzeptieren werde, falls Ufo nicht mit am Verhandlungstisch sitze, sagte Ufo-Vorstand Uwe Hien am Montag dem Tagesspiegel. Noch in dieser Woche soll dem Lufthansa-Vorstand ein entsprechendes Schreiben vorliegen. Ufo will die zwischen Lufthansa und Verdi am vergangenen Donnerstag vereinbarten Sparmaßnahmen nicht akzeptieren.

In den jüngsten Gesprächen über einen notwendigen Sparbeitrag durch die Mitarbeiter von Lufthansa hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Interessen der rund 13 000 Flugbegleiter vertreten. Bislang wird Ufo von Lufthansa nicht als Tarifpartner anerkannt. Hien verwies darauf, dass Ufo mittlerweile mehr Lufthansa-Flugbegleiter vertrete als Verdi. Hien sprach von 4200 Flugbegleitern: "Das ist nach unseren Einschätzungen im Vergleich zu Verdi viermal so viel". Verdi-Sprecher Ingo Schwope sagte, Ufo sei nicht der Ansprechpartner von Lufthansa. Ufo habe kein Recht, Tarifverträge zu unterschreiben.

Die Organisation Ufo war 1992 zunächst als Berufsverband gegründet worden. Seit 1999 will sie auch die tarifpolitischen Interessen ihrer Mitglieder vertreten. Die Satzung wurde entsprechend geändert. Mittlerweile vertritt Ufo insgesamt 6000 Flugbegleiter, die unter anderem auch bei den Gesellschaften Hapag Lloyd, LTU und City-Line tätig sind. Nach Angaben von Hien hat das Arbeitsgericht Darmstadt in einer Entscheidung vom 20. August Ufo seine Anerkennung als Gewerkschaft ausgesprochen. Verdi-Sprecher Schwope erklärte dazu, diese Entscheidung habe bundesweit keinerlei Relevanz. "Wir werden dagegen vorgehen", sagte Schwope. Hien dagegen gibt sich zuversichtlich: "Wenn eine Organisation, die den Anforderungen an eine Gewerkschaft entspricht, streikt, ist sie als Gewerkschaft anerkannt".

Lufthansa und Verdi hatten sich vergangenen Donnerstag auf ein Sparpaket geeinigt. Die Airline will im Gegenzug bis Ende 2002 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Vereinbart wurden unter anderem flexible Arbeitszeiten und eine Verlängerung der Tarifverträge für die Beschäftigten am Boden und in der Kabine um sieben Monate bis Oktober 2002. Für das Boden- und Kabinenpersonal wird die Zahlung der Hälfte des 13. Monatsgehalts im Mai 2002 zunächst ausgesetzt. Auf Kurzarbeit für das Kabinenpersonal hatten sich Lufthansa und Verdi bereits vor einigen Wochen geeinigt.

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