Wirtschaft : Lufthansa darf Swiss übernehmen Aufsichtsgremien beider Unternehmen stimmen zu

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main – Die Lufthansa wird die Swiss International Airlines für insgesamt rund 310 Millionen Euro übernehmen. Dem entsprechenden Integrationsvertrag stimmten der Aufsichtsrat von Lufthansa und der Verwaltungsrat von Swiss am Dienstagnachmittag zu. Auch die Swiss-Großaktionäre, der Schweizer Bundesrat, der Kanton Zürich sowie die Großbank UBS votierten für die Übernahme. Damit liegt nach Angaben der Lufthansa die Zustimmung von knapp 83 Prozent der Swiss-Aktionäre für den Verkauf des Unternehmens vor.

Schon mit Beginn des Winterflugplans 2005/2006 soll die Swiss in das Streckennetz der Lufthansa integriert sein. Mit der Swiss an Bord steigt die Lufthansa hinter Air France/KLM mit rund 60 Millionen transportieren Passagieren pro Jahr zur zweitgrößten europäischen Fluglinie auf.

Die Lufthansa wird die Schweizer allerdings nicht direkt übernehmen, weil sie dann die Verkehrsrechte des neuen Partners nicht nutzen könnte. Deshalb werden die Swiss-Aktien in eine neue Gesellschaft nach Schweizer Recht namens Air-Trust eingebracht. An AirTrust hält die Lufthansa zunächst elf Prozent. Nach der Zustimmung der Kartellbehörden soll der Anteil auf 49 Prozent steigen. Liegt das neue notwendige Luftverkehrsabkommen mit Air-Trust vor, wird die Gesellschaft – und damit Swiss – zu einer 100-prozentigen Tochter der Lufthansa. Wann dies verwirklicht wird, ließen beide Unternehmen am Dienstagnachmittag offen.

Air-Trust wiederum wird den freien Swiss-Aktionären – sie halten zusammen rund 15 Prozent der Anteile – ein Übernahmeangebot unterbreiten. Rund 45 Millionen Euro wird die Lufthansa dafür aufwenden. Die Swiss-Großaktionäre erhalten gegen den Tausch einen Besserungsschein, der bedient wird, wenn Swiss wieder Gewinne einfliegt. Dafür muss die Lufthansa bis zu rund 265 Millionen Euro zahlen.

Mit Swiss übernimmt die Lufthansa erstmals einen direkten Konkurrenten und erhält Zutritt zum lukrativen Schweizer Markt. Dem Vernehmen nach will die Lufthansa durch die Übernahme Einsparungen in Höhe von 200 Millionen Euro erreichen. Allerdings übernimmt sie auch Schulden in Höhe von gut 380 Millionen Euro.

Swiss bleibt nach dem Einstieg eigenständig und wird in das Luftfahrt-Bündnis Star-Allianz aufgenommen. Während die Langstreckenflotte erhalten bleibt, wird es dem Vernehmen nach Einschnitte bei den rund 6600 Arbeitsplätzen geben. Swiss selbst hatte schon den Abbau von 800 bis 1000 Stellen bis Ende 2006 angekündigt. Nach einer schweren Krise und mehreren Sparprogrammen nähern sich die Schweizer zwar wieder der Gewinnzone; 2004 verbuchten sie aber noch Verluste in Höhe von 140 Millionen Schweizer Franken.

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