Wirtschaft : Lufthansa: Das Unternehmen leidet unter Gewinneinbruch

Der operative Gewinn der Lufthansa ist im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr von 99 auf nur noch fünf Millionen Euro eingebrochen. Finanzchef Karl-Ludwig Kley und Vorstandschef Jürgen Weber warnen allerdings davor, das Ergebnis überzubewerten. "Von einer Wachstumsdelle bei Lufthansa kann keine Rede sein", sagte Weber auf der Bilanz-Pressekonferenz. Treibstoffkosten und Investitionen hätten das Ergebnis belastet. Für das gesamte Jahr peilt die Lufthansa wie im Vorjahr wieder ein operatives Ergebnis von rund einer Milliarde Euro an. Kley räumt allerdings ein, dass dieses Ziel angesichts der Wirtschaftsschwäche in den USA und in Europa und des ungelösten Tarifkonflikts mit den Piloten "immer ambitionierter" werde.

Den Umsatz konnte die Lufthansa in den ersten drei Monaten um 15 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro steigern, die Erlöse im Flugbetrieb kletterten sogar um 16 Prozent. Die Zahl der Passagiere erhöhte sich um knapp sechs Prozent auf 10,9 Millionen. Die Auslastung der Jets stieg noch einmal leicht auf 70,3 Prozent. "Wir reflektieren eine wieder positivere Grundstimmung im Lande", glaubt Weber. Allerdings bereitet ihm der Tarifkonflikt mit den Piloten erhebliche Sorge. Der Lufthansa-Chef rechnet in der noch bis 3. Mai laufenden Urabstimmung der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) mit einem klaren Streikvotum. Ihre Forderungen seien mit Gehaltszuschlägen von bis zu 40 Prozent aber "nicht erfüllbar". Wegen eines zu hohen Personalkostenanteils sei das Unternehmen Anfang der neunziger Jahre in eine tiefe Krise gerutscht. Damals hätten auch die Piloten einen "großartigen" Beitrag zur Sanierung geleistet. "Jetzt droht die Rückabwicklung unseres Erfolges". Ein Tarifabschluss müsse sich an der künftigen Situation der Lufthansa orientieren und nach innen und damit vor allem auch gegenüber dem Kabinen- und Bodenpersonal vertretbar sein. Er sei nach wie vor zuversichtlich, dass eine Lösung mit Augenmaß gefunden wird. Derzeit allerdings gibt es keine Gespräche mit VC.

Das hervorragende Ergebnis des vergangenen Jahres mit einem operativen Gewinn von 1,04 Milliarden Euro, mit dem Lufthansa nicht nur eine Steigerung um 44 Prozent realisierte, sondern zum vierten Mal die europäischen Konkurrenten weit hinter sich ließ, ist für Weber kein Ruhekissen. Mit dem so genannten D-Check verordnet er der Lufthansa ein weiteres Fitness-Programm, mit dem alle Prozesse und Abläufe im Unternehmen akribisch untersucht, Fehler und Schwachpunkte ausgemacht und behoben werden sollen. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit der Lufthansa auch für schwierigere Zeiten gesichert werden. Ab 2003 erhoffen sich Kley und Weber durch den D-Check die Erhöhung der laufenden Einnahmen um eine Milliarde Euro pro Jahr. Weitere Einnahmen sollen in diesem und in den nächsten Jahren durch die Börsengänge diverser Beteiligungen in die Kasse kommen. Im Juni noch soll unter anderem der Anteil an Air Dolomiti platziert werden, im Jahr 2002 möglicherweise die Catering-Gesellschaft Lufthansa Service AG.

Mit dem Geschäftsjahr 2000 ist man bei Lufthansa hochzufrieden. "Die Lufthansa hat ihre Chance auf breiter Basis genutzt und zugleich den Risiken durch die stark gestiegenen Treibstoffpreise widerstanden", sagt Weber. Alle Konzerngesellschaften schlossen mit Gewinn ab. Den höchsten Beitrag lieferte mit 734 Millionen Euro der Passagier-Verkehr.

Als wichtiger Faktor erwies sich zudem die Absicherung der Treibstoffpreise. Dadurch wurden Ausgaben von rund 427 Millionen Euro vermieden. Gleichwohl kletterte der Aufwand für Kerosin um stolze 65 Prozent auf knapp 600 Millionen Euro. In diesem Jahr hat die Lufthansa bereits 80 Prozent ihres Triebstoffbedarfs bei einem Ölpreis von 22 Dollar abgesichert. Im Jahresdurchschnitt beschäftigte Lufthansa im Jahr 2000 weltweit rund 69 500 Mitarbeiter, rund 3300 mehr als ein Jahr zuvor.

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